„Eine lange Reise geht nun zu Ende“

Kultur / 22.03.2013 • 19:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Boxeo Constitución“ handelt von drei Boxern aus den ärmsten Vororten von Buenos Aires. Fotos: Berlinale Talent Campus
„Boxeo Constitución“ handelt von drei Boxern aus den ärmsten Vororten von Buenos Aires. Fotos: Berlinale Talent Campus

In „Boxeo Constitución“ begleitet Jakob Weingartner Boxer bei ihrem harten Kampf.

feldkirch. (VN-tag) Federico und Colo leben in den vergessenen und ärmlichen Vororten von Buenos Aires und wollen Profiboxer werden. In ihrem Debütkampf wird sich entscheiden, ob sie weiterhin davon träumen können, eines Tages die Perspektivlosigkeit hinter sich zu lassen. Als einige ihrer Kollegen eine Boxergewerkschaft gründen, trifft jugendlicher Enthusiasmus auf harte Realität: Ausgerechnet in der feuchten, dunklen Boxhalle unter den Gleisen eines Bahnhofs stemmen sich junge Menschen gegen den Darwinismus der sozialen Krise.

„Der Blick faszinierte mich“

Alles begann damit, dass Jakob Weingartner, der jüngere Bruder von Hans Weingartner („Die fetten Jahre sind vorbei“), während seines Dokumentarfilm-Studiums in Buenos Aires von einem befreundeten Pressefotografen ein Foto bekommen hat. Auf ihm waren junge Männer zu sehen, die sich in einer dunklen, feuchten Boxhalle die Seele aus dem Leib trainierten. „Der starke Blick dieses Mannes auf dem Bild hat mich derart fasziniert, dass ich unbedingt erfahren musste, welche Geschichte dahintersteckt“, erzählt der gebürtige Feldkircher Jakob Weingartner. Und so fand er den Boxclub „Boxeo Constitución“, dessen Eingang sich zwischen den Gleisen eines Bahnhofs befindet. Seine Dokumentation handelt nicht, wie man erwarten könnte, von Brutalität und Gewalt, sondern lässt hinter die Fassade des Spektakels blicken. Und das liegt nicht zuletzt daran, dass Weingartner eigentlich so gar nichts mit Boxen anfangen kann. „Mir war es wichtig, dass der Film keine Gewalt zelebriert, sondern hinter die Kulissen blicken lässt und die sozialen Hintergründe zeigt.“

Auf Augenhöhe mit den Boxern

Dass der Film eine Low-Budget-Produktion ist, kam dem Filmemacher sogar zugute. „Wir waren quasi auf Augenhöhe mit den Protagonisten, und so konnten wir eine besondere Beziehung aufbauen. Als ich mit dem Fahrrad zum Dreh kam, staunten sie nicht schlecht“, erinnert sich Weingartner und lächelt.

Die Vorstellung in dieser Woche im TasKino Feldkirch war für Weingartner, der persönlich anwesend war, jedenfalls ein ganz besonderes Ereignis. „An diesem Abend wurde mir erst bewusst, dass nun eine sehr lange und spannende Reise zu Ende geht“, so Weingartner.

Zur Person

Jakob Weingartner

Filmemacher, Regisseur

Geboren: 1979 in Feldkirch

Wohnort: seit 2009 in Berlin

Ausbildung: Studium der urbanen Soziologie in Wien, NY und Paris, Studium Dokumentarfilm an der Universidad de Cine in Buenos Aires

Filme: 2008/2009 dokumentarische Kurzfilme „Obras y obreros“ und „Murga en Lugones“

Boxeo Constitución“ läuft noch am 23. März, 22 Uhr, 25. März, 18 Uhr, und 26. März, 19.30 Uhr, im TasKino in Feldkirch