Sex und Demokratie

Kultur / 22.03.2013 • 20:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Shereen El Feki Foto: hanser
Shereen El Feki Foto: hanser

Die Wissenschaftlerin Shereen El Feki wagt einen Blick in die Schlafzimmer des Orients.

Sachbuch. Marwa Rakha ist die Kummerkastentante für die ägyptische Online-Generation. Jeden Tag erreichen sie Botschaften verängstigter Jugendlicher, ­insbesondere viele junge Frauen bitten sie um Rat. Der Hunger nach Aufklärung ist riesig in einer Gesellschaft, die das Thema Sex tabuisiert.

Marwa Rakhas Online-Therapie oder auch das Radio für geschiedene Frauen, das die Moderatorin Mahasin Sabir ins Leben gerufen hat, werfen ein grelles Licht auf den sexuellen Notstand, der in vielen Teilen der arabischen Welt herrscht. Religion und Gesellschaft üben einen so starken Druck auf den Einzelnen aus, dass das Thema Sex vor allem von Angst, Unwissenheit und Scham besetzt ist. Das ist jedenfalls das düstere Bild, das Shereen El Feki in ihrem Buch „Sex und die Zitadelle“ zeichnet.

Die Wissenschaftlerin sprach mit Wissenschaftlern, Journalisten, Ärzten und Beamten, vor allem aber auch mit ganz normalen Männern und Frauen. Dabei kam ihr zugute, dass sie als Frau mit westlichen und arabischen Wurzeln eine Grenzgängerin ist. Sie war Vizechefin einer UN-Kommission im Kampf gegen Aids. Shereen El Feki hat zwar ein klares westliches Wertemodell, etwa zur Rolle der Frau in der Gesellschaft, sie vermeidet aber besserwisserische Überheblichkeit.

Kultur der Heuchelei

Absurd ist die Erzählung von einer Braut, die in der Hochzeitsnacht „einen Hauch von Eigeninitiative zeigte“. Ihr Mann war so entsetzt, dass er sie auf den Koran schwören ließ. Die „Zitadelle“ Ehe ist in arabischen Ländern der einzige abgeschottete Bereich, in dem Sex überhaupt legitim ist. Alles, was sich außerhalb davon abspielt, gilt als Unzucht. Die Folge ist eine Kultur der Heimlichkeit und Heuchelei.

Zwischen Demokratie und Sexualität besteht nach Ansicht der Autorin ein unmittelbarer Zusammenhang. Denn die freie Entfaltung der Sexualität ist ein Menschenrecht, ohne die keine Demokratie denkbar ist, die ihren Namen verdient.

Shereen El Feki: „Sex und die Zitadelle. Liebesleben in der sich wandelnden arabischen Welt“, Verlag Hanser