Texte, die es in sich haben

Kultur / 22.03.2013 • 20:26 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Martin Walser Foto: AP
Martin Walser Foto: AP

Walsers Gedankenbuch „Meßmers Momente“ ist voller Selbstzweifel, aber auch voller Poesie.

Kurztexte. Martin Walser hat es seinen Kritikern und sich selbst nie leicht gemacht. Jetzt legt der 85-Jährige erneut einen schmalen Band mit Kurztexten vor, die es in sich haben. Nach „Meßmers Gedanken“ (1985) und „Meßmers Reisen“ (2003) sind es nun „Meßmers Momente“, die den Leser vom ersten Satz an in ihren Bann ziehen. Die kurzen Notate und Sentenzen bestechen in ihrer existenziellen Dringlichkeit. Hier meint es einer bitterernst mit seiner Selbstbefragung im Medium der Literatur. Walser schreibt keine Sinnsprüche, sondern zeigt uns in den meisten Fällen fragende, zweifelnde Versuche, sich in der Sprache Rechenschaft abzulegen. „Ich muss mich auf dem Papier festhalten, weil ich nirgends sonst möglich bin“, notiert er.

Das Ich, das uns auf diesen Seiten mit all seinen Verwüstungen, Ängsten und Vorurteilen entgegentritt, attackiert mit grimmigem Humor die Zumutungen des Alters und sieht sich selbst als unbehauste Existenz: „Ich bin eine Wohnung, aus der ich ausgezogen bin“, heißt es.

Die Liebe

Walsers Selbstgespräch lauscht man in den meisten Momenten sehr gern, manches ist aber auch nur kokett. Dabei sind die abwägenden, scheinbar paradoxen Notate eindeutig stärker als apodiktische Urteile wie „Die Welt ist alles, was verpfuscht ist“. So verpfuscht kann die Welt nicht sein, wenn Walser seine kleinen Sprachkunstwerke wie Luftballons steigen lässt. Und dabei manchmal unverhoffte Poesie entdeckt: „Unter diesen Bäumen. Als bliebe man. Und die Vögel sind das Geschmeide der Welt. Und die Welt ist der Hals einer Frau, die geliebt wird.“

Martin Walser: „Meßmers Momente“, Verlag Rowohlt