Starkes Manifest des Glaubens

Kultur / 25.03.2013 • 22:06 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Haydns „Paukenmesse“ löste im Dom Begeisterung aus. Foto: JU
Haydns „Paukenmesse“ löste im Dom Begeisterung aus. Foto: JU

Benjamin Lack führte seinen 47-köpfigen Feldkircher Domchor in lichte Höhen.

Feldkirch. Ein rauschender Erfolg des Domchores, wie man ihn in dieser Dimension nicht für möglich gehalten hätte. Der seit sechs Jahren tätige Domkapellmeister Benjamin Lack rückte den Chor am Sonntagabend von der Empore ins Scheinwerferlicht des Altarraumes und vermittelte ihm damit das nötige Selbstbewusstsein, ein so komplexes Werk wie Joseph Haydns „Paukenmesse“ zu einem starken Manifest des Glaubens zu formen. Enorme Begeisterung im überfüllten Dom St. Nikolaus.

Lokalbezug

Die 1796 entstandene „Missa in tempore belli“, C-Dur, erinnert an den Feldzug Napoleons gegen Österreich und gehört mit angedeutetem Kanonendonner und Siegesfanfaren im „Agnus Dei“ zu den effektvollsten und populärsten unter Haydns 14 Messvertonungen. Dompfarrer Rudolf Bischof stellt einleitend einen interessanten Lokalbezug zum Entstehungsjahr her, in dem der wertvolle Silberaltar im Feldkircher Dom von den Truppen beschlagnahmt wurde. Nur noch eine Büste des Hl. Nikolaus ist heute erhalten.

Diese Dramatik des Werkes, zugleich das tiefe Gottvertrauen in einer demütigen Haltung macht Benjamin Lack in seiner zwingenden Art des Dirigates lebendig. Er legt dabei großen Wert auf Dynamik und klangliche Differenzierung, auf Deutlichkeit und saubere Intonation, wählt ansprechende Tempi und erreicht so mit seinem durch einige Projektsänger auf 47 Personen erweiterten Domchor eine ausgeformte, transparente Wiedergabe. Eine dreiviertel Stunde stehen die Sängerinnen und Sänger bei diesem Werk leistungsmäßig im Mittelpunkt, beweisen mit ungebrochener Kraft und subtiler Pianokultur ihre Überlegenheit.

Zu bester Zufriedenheit

Die lyrischen Teile der Messe sind meist dem Solistenquartett überantwortet, das mit vorwiegend heimischen Kräften sehr ausgewogen („Benedictus) und effizient besetzt ist. Die Sopranistin Birgit Plankel beeindruckt solistisch mit tiefer Verinnerlichung, Stimmschönheit und Ausdrucksvielfalt im „Et vitam venturi“ des „Credo“, die ungemein präsente Altistin Veronika Dünser hat ihre eindrucksvollsten Momente zusammen mit dem hellstimmigen deutschen Tenor Johann Winzer im „Sanctus“, während der klar zeichnende Bass Matthias Haid im „Qui tollis“ des „Gloria“ mit dem Solocello von Ingrid Ellensohn wetteifert. Sie ist Mitglied eines sicher und klangschön agierenden Domorchesters, dem neben dem Stamm aus der Musikschule Feldkirch auch Musiker des SOV wie Konzertmeisterin Monika Tarcsay und aus dem Konservatorium wie der Paukist Andreas Wachter angehören.

Domorganist Johannes Hämmerle grundiert an der Truhenorgel und erfüllt in einem vorangestellten „Salve Regina“ Haydns zusammen mit dem Solistenquartett und dem Streichorchester auch solistische Aufgaben zu bester Zufriedenheit.

Nächste Auftritte des Domchores Feldkirch: 28. März, 20 Uhr, Bruckner-Messe, 29. März, 20 Uhr, Motetten und Choräle. 31. März, 9.30 Uhr, Schubert-Messe in G-Dur