Einblick in eine ganz neue Welt

26.03.2013 • 19:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mika, der Sohn von Claudia Wohlgenannt, machte sich auf die Reise nach Nicaragua, um an einem Fest auf der größten Müllhalde des Landes teilzunehmen. Mit rund sieben Quadratkilometern ist sie etwas mehr als doppelt so groß wie die ganze Wiener Innenstadt. Fotos: Plan C Filmproduktion
Mika, der Sohn von Claudia Wohlgenannt, machte sich auf die Reise nach Nicaragua, um an einem Fest auf der größten Müllhalde des Landes teilzunehmen. Mit rund sieben Quadratkilometern ist sie etwas mehr als doppelt so groß wie die ganze Wiener Innenstadt. Fotos: Plan C Filmproduktion

Vorarlbergerin Claudia Wohlgenannt produzierte einen Dokumentarfilm für Kinder.

Dornbirn. (VN-tag) Der achtjährige Mika, Sohn von Produzentin Claudia Wohlgenannt, will den Dschungel kennenlernen, Schildkröten und Rochen beobachten und bei einem Fest auf einer Müllhalde mit dabei sein. Sein Ziel: Nicaragua. Da er sich einen Teil der Reise selbst finanzieren soll, hat er auch schon etwas Geld gespart und einen Spanisch-Kurs besucht. Dokumentieren wollen er und ein Kameramann seine Reise mit einer Digitalkamera.

So reist Mika schließlich mit seiner Großtante Gertraud Wohlgenannt nach Lateinamerika. Seit Jahren fliegt die Vorarlberger Lehrerin im Sommer in die Hauptstadt Managua. Eines Tages kam sie in Kontakt mit jenen Familien, die auf der Mülldeponie leben. Sie suchen aus den abgeladenen Lkw-Fuhren brauchbare Materialien und sammeln diese, um das Altmaterial, das wiederverwertet wird, zu verkaufen.

Mithilfe von Spenden, die ihre Schüler am BG Dornbirn im Rahmen eines Schulfests gesammelt haben, plante Gertraud Wohlgenannt, auf der Müllhalde von Managua ein Fest zu organisieren. Dieses soll den Kindern, deren Familien dort leben und als Müllsammler arbeiten, einen besonderen Tag bereiten.

Auf der Müllhalde in Managua, die übrigens die größte Müllhalde des Landes sein soll, lernt Mika die dort lebende elfjährige Francis kennen, deren Lebensumstände sich von seinen in vielerlei Hinsicht komplett unterscheiden. Francis begleitet die Besucher aus Österreich auf die Müllhalde, wo ihre Mutter als Müllsucherin arbeitet und einen Einblick in ihren Alltag gibt. Die Erwartungen an den Dschungel, die Mika hat, erfüllen sich leider nicht so ganz – dafür bekommt der Achtjährige einen exklusiven Einblick in eine für ihn ganz neue Welt und gewinnt neue Freunde – und auch das Fest wird am Ende zu einem schönen Erlebnis. „Mika hat während der Dreharbeiten begonnen, über die Armut nachzudenken und sich kurzerhand entschlossen, zu sparen, um den Menschen, die dort leben, wenigstens einen Kühlschrank kaufen zu können“, erzählt Claudia Wohlgenannt im Gespräch mit den VN.

Film über eine Reise

Der halbstündige Kino-Dokumentarfilm, der sich gezielt an Sechs- bis Zwölfjährige richtet, wird ganz aus der Sicht des jungen Mika gestaltet und bietet etliche interessante Anknüpfungspunkte für Gespräche und Überlegungen für ein junges Publikum. „Fiesta auf der Müllhalde“ ist in erster Linie ein Film über eine Reise. Es geht aber auch um Begegnung, Freundschaft und um eine Gegenüberstellung der Lebenswelten der Kinder in Österreich und Mittelamerika. So eine Reise auf eine Müllhalde ist natürlich sehr extrem, dennoch – oder gerade deswegen – gibt es auch einige Überraschungen. „Das Besondere für mich war, zu sehen, dass die Menschen, die dort leben, im Rahmen ­ihrer Möglichkeiten eigentlich ein sehr zufriedenes Leben führen“, so Wohlgenannt.

Für die gebürtige Dornbirnerin ist „Fiesta auf der Müllhalde“ ihre erste Arbeit als Regisseurin und eine sehr persönliche Geschichte, weil es in erster Linie ihr Sohn war, der den Anstoß zum Film gab, als er mit sieben Jahren beschlossen hat, in dieses Land zu reisen.

Pilotprojekt

„Mein Film wurde sozusagen zum Pilotprojekt, um den Dokumentarfilm gerade für Kinder populärer zu machen und zu zeigen, dass er durchaus auch Kinoqualitäten hat“, erklärt sie weiter. Wohlgenannt beweist jedenfalls, dass Kinder auch abseits des Mainstream-Kinos und der Hollywood-Blockbuster für den Kinogang begeistert werden können – und dabei auch noch einiges für ihr Leben lernen können.

Ich möchte den Dokumentarfilm für Kinder populärer machen.

Claudia Wohlgenannt

Zur Person

Claudia Wohlgenannt

Produzentin und Geschäftsführerin der Plan C Filmproduktion in Wien

Geboren: 1975 in Lustenau

Wohnort: Wien

Laufbahn: Seit 15 Jahren in der Filmbranche tätig, u. a. als Aufnahmeleiterin bei Spielfilmen, seit 2006 Produktionsleiterin für Dokumentar­filme. 2009–2012 Einreichung und Durchführung von österreichischen Dokumentarfilmen bei Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion GmbH. 2012: Gründung der Plan C Filmproduktion in Wien

Familie: zwei Kinder

„Fiesta auf der Müllhalde“, 27. März, 15 Uhr und Schulvorstellungen am 4./ 5. April, 10 Uhr, Spielboden Dornbirn, mit anschließenden Recycling-Workshops