„Man schrieb, um nicht zu vergessen“

Kultur / 27.03.2013 • 20:06 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kahr adaptierte zwei Texte des Nachkriegsdichters Wolfdietrich Schnurre für sein Theaterstück. Fotos: Kahr
Kahr adaptierte zwei Texte des Nachkriegsdichters Wolfdietrich Schnurre für sein Theaterstück. Fotos: Kahr

„Man sollte dagegen sein“ präsentiert zwei Erzählungen von Wolfdietrich Schnurre in einem Theaterstück.

dornbirn. (VN-tag) Ein Mann kommt nach Hause, denn daheim ist es zwar nicht wärmer, aber zumindest trocken. Und geregnet hat es genug auf dem Spaziergang, den er gemacht hat, um auf ein Begräbnis zu gehen. Sein Weg hätte nicht an der Kaserne vorbeiführen sollen, denn was er dort sah, wollte er nicht sehen. Und das Begräbnis war kein gewöhnliches, denn es ist Gott, der an diesem Tag begraben wird, und weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen.

Das Ein-Personen-Stück „Man sollte dagegen sein“ präsentiert zwei Erzählungen des deutschen Nachkriegsdichters Wolfdietrich Schnurre: „Das Begräbnis“ und „Der Ausmarsch“. „Das Begräbnis“ thematisiert die Beisetzung Gottes, der für alle daran Beteiligten vollkommen neutral beziehungsweise negativ ist. „Der Ausmarsch“ bringt die Schilderung von einem Kinderbatallion an die Front. Die Soldaten sind erst vier Jahre und tragen neben den Gewehren ihre Teddybären singend an die Front.

Nüchtern und einfach

Diese beiden Texte wurden für das Stück miteinander verflochten und durch eigene Texte ergänzt. „Es ist vor allem die Sprache, die mich derart fasziniert hat, dass ich daraus ein Stück machen wollte. Sie ist nüchtern und einfach, genauso wie das Nachkriegsjahr 1946, in dem Schnurre sie schrieb“, erzählt Robert Kahr. Es war vor allem eine Zeit, in der es keine Tradition der Literatur gab, auf die sich junge Autoren berufen wollten. „Man schrieb einzig, um nicht zu vergessen“, erklärt der Schauspieler. In dem Stück geht es nicht darum zu schockieren oder Gott schlechtzumachen, wiewohl dessen Beerdigung dies vermuten ließe. Die Gedanken führen darüber hinaus: Wie konnte man diesen Kriegsalltag zwischen Luftschutzkeller, Propaganda, Tod, Hunger und der täglichen Ansicht von Vergänglichkeit und Schock ertragen? Und klammerte man sich da nicht gedanklich an jeden Strohhalm? Das sind die Fragen, die das Stück in erster Linie behandelt.

„Was die Inszenierung betrifft, ist das Stück kein reines Erzähltheater, sondern arbeitet auch viel mit Rauminstallationen, Licht, Fotos und Geruch. Und das dient vor allem dazu, den inneren Monolog für das Publikum sichtbar, hörbar und vor allem miterlebbar zu machen“, so Kahr.

Robert Kahr im Ein-Personen-Stück „Man sollte dagegen sein“.
Robert Kahr im Ein-Personen-Stück „Man sollte dagegen sein“.

„Man sollte dagegen sein“ wird heute um 20 Uhr im TiK, Jahngasse 10, Dornbirn aufgeführt. Reservierung unter: office@theaterwagabunt.at