Manfred Honeck im Jahr der Debüts

Kultur / 28.03.2013 • 20:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vom 28. bis 30. Juni kann in Wolfegg wieder klassische Musik von Manfred Honeck erlebt werden. Foto: voith
Vom 28. bis 30. Juni kann in Wolfegg wieder klassische Musik von Manfred Honeck erlebt werden. Foto: voith

Dirigent Manfred Hon­eck stellt Programm für die Wolfegger ­Konzerte im Juni vor.

wolfegg. (VN-chv) „Eine Botschaft geben mit Musik, die die heutigen Menschen verstehen und mitnehmen können, das interessiert mich“, so hat Manfred Honeck beim Pressegespräch auf Schloss Wolfegg gesagt. „Je mehr klassische Musik unter die Leute gebracht wird, desto besser – wir müssen neues Publikum erreichen, das ist unser Auftrag.“

Dabei spielt es für ihn letztlich keine Rolle, ob er nur einen kleinen Kreis erreicht oder Tausende von Zuhörern. Bevor er an diesem Morgen nach Wolfegg gefahren ist, um sein Programm für die Wolfegger Konzerte vom 28. bis 30. Juni vorzustellen, hat er vor Schülern in Götzis über den Dirigentenberuf gesprochen. Jetzt erzählt er von einer „stage version“ des Händel’schen „Messias“ in Pittsburgh, einer opernhaften Aufführung mit Bühne, Licht und Kostümen, die die Zuhörer so mitgerissen habe, dass sofort eine riesige Nachfrage bestand. Und er erzählt von einem „Meet the Maestro“-Programm, das in Universitäten und Schulen gehe, mit Konzerten für Eltern und Schüler. Begeistert ist Honeck, dass in der Met aufgenommene Opernaufführungen in den Kinos eine große Fan-Gemeinde anziehen: „An dieser Technik wird in Zukunft kein Orchester vorbeikommen.“ Der Markt sei da, das Interesse könne damit geweckt werden, allerdings sollte das Publikum dann auch ins Konzert gehen und die Musik live erleben.

Mehr Leute erreichen

Es geht Honeck keineswegs um Monumentalität, sondern darum, dass möglichst viele an solchen Erlebnissen teilhaben können: „Wir suchen in der klassischen Musik Wege, mehr Leute zu erreichen, solange es musikalisch vertretbar ist.“ Dazu gehören dann in Amerika auch schon „Sing along“-Konzerte, bei denen das Publikum zuletzt mitsingen darf: „Die Jungen sind’s von Popkonzerten gewohnt.“ Auf sein aktuelles Leben und sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern angesprochen: „Ich bin jetzt 55 Jahre alt und habe in diesem Jahr fünf bis sechs Debüts.“ Er frage sich selbst, warum in diesem Alter. Im vergangenen Oktober hatte er als Einspringer für den erkrankten Sir Colin Davis sein Debüt beim London Symphony Orchestra, vor wenigen Tagen stand er dort wieder am Pult.

Einzigartige Atmosphäre

Im Jänner folgte das Debüt beim New York Philharmonic, auch hier sind bereits Konzerte vereinbart. Als wunderschönes Erlebnis beschreibt er sein Debüt mit dem Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, wo er auch in den nächsten Jahren dirigieren werde. Von seinem Konzert mit den Berliner Philharmonikern und Anne-Sophie Mutter berichtet er: „Es sind Menschen wie wir alle – tatsächlich ein fantastisches Orchester mit einem grandiosen Klang.“ Weitere Debüts stehen in Cleveland und Los Angeles an: „Man muss eben auch einmal wieder anfangen …“ Dabei versichert er, dass er den anderen treu bleiben werde. Sein Engagement als Musikdirektor des Pittsburgh Symphony Orchestra sei eben erst bis 2020 verlängert worden, und natürlich bleibt er Wolf­egg und seiner einzigartigen Atmosphäre wie auch seiner Heimat Vorarlberg treu.