Suche nach verborgenem Sinn

Kultur / 28.03.2013 • 19:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Darstellungen reichen von nahezu völlig abstrakt ...
Die Darstellungen reichen von nahezu völlig abstrakt …

Die Galerie Stephanie Hollenstein zeigt Hinterglasmalerei von Gerhard Winkler.

LUSTENAU. Die Vorstellung von Engeln und Geistwesen findet sich in allen Weltreligionen. Eingebettet in diesen offenen, für alle ­Glaubensvorstellungen zugänglichen Kontext zeigt der Dornbirner Maler Gerhard Winkler in der Galerie Stephanie Hollenstein in Lustenau rund 60 Werke in spezieller Hinterglasmalerei aus seiner langjährigen Beschäftigung mit dem Thema Engel. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Gerhard Winkler Bilder von seinen religiösen Fragen macht. Die Antworten dazu sind schwer fassbar, nicht greifbar, sondern vielmehr hinter dem Glas verborgen. Das Material Glas steht auch für die Zerbrechlichkeit unseres Lebens – bildhaft vorgeführt in einer großformatigen Glasscheibe, die mit Hammerschlägen traktiert wurde und einen (vielleicht zu plakativen?) Kontrapunkt zu den Engeln bildet, die in einer lauten Zeit stille Wegmarken der Hoffnung und Kontemplation verkörpern.

Jünglingshaftes Wesen

Locker gehängt, ein bisschen so, als würden sie im Raum in einem Zwischenbereich schweben, reicht die Darstellungsweise von nahezu völlig abstrakt, in der Auflösung Mustern und Ornamenten nahe, bis hin zum jünglingshaften Wesen mit Flügeln, das dem landläufig-„klassischen“ Bild eines Engels entspricht.

Man trifft auf dunkle Engel, begegnet aber auch Girlie-haftem in Pink und Rosa, steht rot-orangen Feuerengeln gegenüber, vertieft sich in meditatives Blau oder frönt dem Goldrausch. Das Bild hinter dem Glas symbolisiert auch Transzendenz.

Schwung der Flügel

Die Gestalten auf den meist schmalen, hochen, rechteckigen Formaten lassen sich häufig weniger erkennen als erahnen, wie im angedeuteten Schwung der Flügel. In ihrer Erscheinung, die sich der Berechnung und klaren Einordnung entzieht, sind sie Ausdruck der Sehnsucht des Künstlers nach dem verborgenen Sinn. Es mag schon stimmen, wenn die deutsche Rockband Rammstein in einem Songtext proklamiert „Gott weiß ich will kein Engel sein“. Aber manchmal braucht eben jeder einen Engel.

... bis hin zu jünglingshaften Wesen mit Flügeln. FOTO: AG
… bis hin zu jünglingshaften Wesen mit Flügeln. FOTO: AG

Zur Person

Prof. Gerhard Winkler

Maler und Kunstpädagoge

Geboren: 1939 in Wien

Wohnort: Dornbirn

Ausbildung: Universität Wien und Akademie der bildenden Künste, Wien

Laufbahn: zahlreiche Ausstellungen, Kunst-und-Bau-Arbeiten, Gründungsmitglied des Kunstraums Dornbirn, kunstvermittelnde Tätigkeiten

Auszeichnungen: u. a. Preis der Akademie Wien, Großes Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg

Die Ausstellung ist in der Galerie Stephanie Hollenstein, Pontenstraße 20, Lustenau, bis 31. März geöffnet, Fr und Sa, 17 bis 20 Uhr, So und Feiertag, 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.