Ein Gefühl von Einsamkeit und Vergänglichkeit

Kultur / 29.03.2013 • 19:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
... und zeigt Bilder mit einheimischen Tieren. Fotos: ag
… und zeigt Bilder mit einheimischen Tieren. Fotos: ag

Künstler Alfredo Barsuglia thematisiert in der Hospiz Galerie die Nichtigkeit des Seins.

Bregenz. Menschenleer präsentiert sich die Ausstellung von Alfredo Barsuglia in der Bregenzer Hospiz Galerie. Dafür ist die Natur umso präsenter. In Tierbildern und Fundstücken wird sie in Einzelteile zerlegt und zu einer neuen Ordnung arrangiert.

Fotorealistisch

Die Installation „Breaking the fourth wall“ ist das Herzstück und der Titelgeber der Schau. In der Tradition eines Dioramas zeigt Alfredo Barsuglia eine unberührte Landschaft, errichtet aus Baumstämmen und Waldboden, die sich in einer illusionistischen Malerei als Ausblick fortsetzt. Der Besucher ist eingeladen, die vom Künstler eingestellte Mauer als durchbrochene vierte Wand zu übersteigen und sich in der künstlich geschaffenen Natur als der letzte Mensch auf der Erde zu fühlen – um dabei wie auf einer Bühne selbst zum Ausstellungsobjekt zu werden. Dieses Gefühl von Einsamkeit und Vergänglichkeit bestimmt die Arbeiten des in verschiedenen Medien tätigen Künstlers nachhaltig. Was bleibt von uns, wenn wir die Erde eines Tages verlassen, fragt Barsuglia.

Die Antwort fällt ernüchternd aus, die Nichtigkeit des Seins ist bei Barsuglia all­gegenwärtig. Zugleich zele­briert er in seinen Bildern aber auch die Schönheit der Natur und fordert den Betrachter zur Interaktion auf. In den fotorealistisch gemalten Werken, mit unglaublich feinem, lasierendem Pinselstrich, akribisch genau, konfrontiert der Künstler auf unorthodoxe Art mit einheimischen Tieren.

Meteoriteneinschlag

Die Gemälde von Hirsch, Eichhörnchen, Rabe, Hase oder Reh hängen in verschiedenen Höhen, so als würde man den Tieren irgendwo draußen begegnen, im Raum, den sich der Betrachter als Wald oder als Wiese fertig denken soll. In einem anderen Raum steht unter der Studie eines kleinen Steinbrockens: „Ich las in einem Buch über Orchideen, als plötzlich mit einem lauten Krach ein (…) Meteorit durch die Zim­merdecke schoss (…).“ Natürlich liest Alfredo Barsuglia keine Bücher über Orchideen, aber es wäre durchaus möglich gewesen, dass er Biologe statt Künstler geworden wäre, meint der 32-Jährige.

Ordnung des Zufalls

Beiden Disziplinen gerecht wird Barsuglia in der Installation „Wunderkammer“. Ein Sammelsurium von Gefundenem und Gesuchtem wird hierbei auf einem Tisch in Szene gesetzt und zu kleinen Ensembles inszeniert. Muscheln, ein Gänseei, getrocknete Blumen und Körner, ein Schmetterling, eine fragile Frucht oder ein mit Moos überzogener Zweig gehorchen formalen oder ästhetischen Kriterien und einer Ordnung des Zufalls.

In Glasvitrinen geborgen, rückt Beiläufiges, Unbeachtetes, das leicht am Boden zertreten oder übersehen werden könnte, plötzlich in den Fokus und strahlt die Aura des Besonderen aus. Die Erkenntnis, wie fragil und verletzlich Natur und Leben sind, trifft unvermittelt.

Der Künstler zelebriert in seinen Bildern die Schönheit der Natur ...
Der Künstler zelebriert in seinen Bildern die Schönheit der Natur …

Zur Person

Alfredo Barsuglia

Maler, Video- und Installationskünstler

Geboren: 1980 in Graz

Wohnort: Wien

Ausbildung: Universität für angewandte Kunst und Akademie der bildenden Künste in Wien, Akademia Sztuk Pieknych in Krakau

Laufbahn: Auslandsstipendien und Ausstellungen u. a. in Graz, Wien, Budapest, Washington, Peking

Auszeichnungen: u. a. Kunstförderungspreis der Stadt Graz, Walter Koschatzky Anerkennungspreis, Hospiz Kunstpreis 2011

Die Ausstellung ist in der Hospiz Galerie, Gallusstraße 38 in Bregenz, bis 19. April geöffnet, Mi und Fr, 14 bis 17 Uhr