Ein Horrortrip durch die Geschichte

Kultur / 29.03.2013 • 17:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Charles Mansons Schatten lebt, und an einer Highschool ­brodelt es gewaltig.

Romane. Joe Goebel wurde gerne als einer der „Jungen Wilden“ gehandelt, weil er anfangs mit Undergroundmusik mehr Erfolg hatte als mit seiner Literatur. Dem ist schon lange nicht mehr so, seinen Blick auf die Jugend ist er dennoch nicht so ganz losgeworden. Mit dem Highschool-Roman „Ich gegen Osborne“ legt er ein grundsolides Werk hin, das durchaus aus der Klammer „Jugendroman“ herausgenommen werden kann und auch Erwachsene unter seinen Lesern finden wird.

Aggression und Einsicht

James Weinbach ist ein Außenseiter. Er trägt alte Anzüge, hört gerne Jazz und fährt mit dem alten Auto seiner Eltern zur Schule, während viele seiner Kollegen mit aufgemotzten Autos und dumpf dröhnender Musik um Anerkennung buhlen. Er bleibt also hübsch außen vor und denkt sich seinen Teil über seine Altersgenossen. Einzig ein Mädchen hat es ihm angetan, und die hat sich in den Ferien aber für einen anderen entschieden. Zudem wird seine Arbeit im Literaturkurs zerpflückt. James flippt aus und wird zum Rektor bestellt, die Dinge nehmen also ihren Lauf.

Ein leider Gottes sehr klassischer Plot, aber man kann Nachsicht walten lassen, denn der Roman hat durchaus andere Qualitäten. Goebels präzise Beobachtung der heutigen Highschool-Jugend zum Beispiel, wer sich mit wem, wann und wo herumtreibt, Markenfetischismus, eine ungestüme Generation von Menschen, die Gewalt nicht nur legitimiert hat, sondern auch lebt. Zwischen den Dialogen brodelt es und eigentlich wartet der Leser nur noch, dass alles in einem Blutbad endet, dem ist aber nicht so, was jedoch die Glaubwürdigkeit des Romans stärkt. Zu aller Überraschung kommt es sogar zu einer Besinnung. Wenn man Dialoge nicht gerne liest, sollte man nicht zu dem Roman greifen, denn die Dialoglastigkeit ist einfach gegeben. Den Rezensenten, die in ihm einen neuen John Irving oder T. C. Boyle sehen, muss man nicht glauben, der große amerikanische Erzähler ist er ja nicht, dem Autor ist aber eine glaubhafte Bestandsaufnahme der heutigen Zeit geglückt.

Hippie-Wahn und 09/11

Madison Smartt Bell, der hat hingegen mit „Die Farbe der Nacht“ einen äußerst verrückten Roman geschrieben. Eine Fahrt in den Wahnsinn. Seine Protagonistin Mae war einmal Teil einer brutalen kalifornischen Hippie-Kommune eine Zeit, die sie auch nach als Erwachsene wie einen dunklen Schatten mit sich trägt. Hinzu kommt der Ground Zero vom 11. 9. 2001. In einer Fernsehaufnahme glaubt Mae ihre Freundin von damals zu erkennen und macht sich nun auf den Weg, sie aufzusuchen – mit einem Gewehr.

Der Autor macht hier einen sehr gewagten Spagat. Er schickt den Leser durch die Hölle der Hippie-Zeit mit dem Charles-Manson-Wahnsinn und lässt ihn wie durch einen Maulwurfgang erst wieder beim Terroranschlag auf das World Trade Center an die Oberfläche. So kommt es zu sehr diffusen Bildern. Dazu taucht der Autor seine Protagonisten in die Griechische Mythologie. Im Prinzip ist der Roman gescheit, manches geht jedoch nicht auf. Vielleicht ist das auch gut so.