Er wurde sicher absichtlich hier gelassen

Kultur / 29.03.2013 • 17:22 Uhr / 10 Minuten Lesezeit
„Bist du ein Kind des Osterhasen?“ Foto: VN/Hofmeister
„Bist du ein Kind des Osterhasen?“ Foto: VN/Hofmeister

Die Haustür wird aufgemacht und jemand tritt in den Flur ein. „Mama ist er das?“, fragt die kleine Lisa, die vor Aufregung fast schon zittert. „Nein, mein Schatz. Du bist zu früh. Das ist sicherlich Papa, oder Opa und Oma.“ Und tatsächlich tritt nun ein Mann in die Küche. Es handelt sich um den Familienvater Arnold, der mit einer großen Einkaufstüte in der Hand erscheint. „Papa hast du den Osterhasen gesehen?“, fragt Lisa sogleich aufgeregt. Arnold stellt die Tüte ab, gibt seiner Frau Sabrina einen kurzen Kuss und meint dann: „Der Osterhase bringt dir sicherlich etwas ganz tolles. Aber du bist zu früh. Jetzt ist noch kein Osterhase da.“ – „Aber du hast gesagt, dass nach gestern Ostern kommt. Denn gestern war ja Gründonnerstag.“ – „Ja Schatz. Es kommt auch Ostern.“ – „Ja, und Opa hat gesagt, dass dann der Osterhase kommt.“ – „Jaja klar Schatz, aber heute ist noch Karfreitag und morgen Karsamstag und dann ist Ostersonntag. Dann kommt der Osterhase.“ – „Ok gut, dann muss ich noch…“, angespannt überlegt Lisa und verkündet dann voller Stolz: „Zwei Mal schlafen.“ – „Richtig, Schatz.“

Lisa lächelt und sagt dann: „Gut, dann gehe ich jetzt schlafen und später dann nochmal und dann habe ich zwei Mal geschlafen.“ Die Mutter lacht und erklärt: „So geht das nicht. Es muss zwei Mal dunkel und dann wieder hell werden. Zwei Tage Schatz. Das Schlafen alleine bringt so gesehen nichts.“ Lisa brummt darauf: „Doof. Naja, dann muss ich halt warten.“ – „Ja, mach das Schatz.“ Wieder geht die Tür. Lisa sogleich: „Das kann gar nicht oder Osterhase sein, oder?“ – „Nein Schatz“, betont die Mutter. „Schade.“ Und schon ertönt die neue Stimme in den Raum: „Was heißt hier schade meine Keine? Begrüßt man so Oma und Opa?“, sagt der gerade eintretende ältere Herr. „Nein Opa, aber ihr kommt ja jede Woche zwei Mal oder so vorbei. Der Osterhase jedoch nicht.“ – „Das ist ja das besondere, meine Kleine. Aber der Osterhase hat mir einen Brief geschrieben und dort gesagt, dass er dir was ganz tolles bringt.“ Lisa lächelt sofort breit und fragt nach: „Echt?“ – „Ja, echt. Nun musst du nur noch zwei Tage warten.“ Lisa zittert zwar vor Erwartung, nickt aber und fragt dann: „Mama darf ich raus spielen gehen?“ – „Wenn du dich wärmer anziehst und im Garten bleibst, ja.“ – „Supi.“ Und schon verschwindet Lisa aus der Küche und wäre dabei fast mit ihrer Oma zusammengestoßen, die in diesem Moment mit einem großen Blumenstrauß in die Küche tritt. „Nana, wohin denn so stürmisch?“ – „Ich geh raus! Muss mich aber noch umziehen gehen.“ Somit verschwindet Lisa schon. „Soso? Mama was bringst du denn so einen Blumenstrauß mit?“, fragt Sabrina. Die Großmutter schaut den Strauß, den sie in der Hand hat, fast verwirrt an und erklärt dann: „Ach, ich hab diese Blumen im Laden gesehen und ich dachte, dass sie dir gefallen würden.“ – „So?“ – „Ja klar. Blumen für eine schöne junge Mutter kann nicht falsch sein.“ – „Ach, Mama.“ – „Jetzt hör schon auf Roswita. Komplimente bekommt deine Tochter schon genug von mir.“ – „Jaja, schon klar, aber keine Blumen.“ Der Schwiegersohn lächelt darauf und erklärt: „Stimmt. Nur zu besonderen Anlässen. Ich hol eine Vase.“ Und schon verschwindet er in das Wohnzimmer und kommt bald wieder zurück um die Blumen ins Wasser zu stellen. Die beiden Großeltern setzten sich daraufhin zum Küchentisch und ihre Tochter bringt ihnen sogleich einen Kaffee. Und in diesem Moment flitzt schon Lisa vorbei, die von ihrer Mutter sogleich aufgefangen wird: „Halt, Halt, halt. Wo ist die Jacke?“ – „Es passt schon, es ist warm draußen. Wir haben nicht mehr Winter“, erklärt Roswita. „Nun gut“, willigt die Tochter ihrer Mutter ein und so springt Lisa schon raus in den Garten. Roswita fixiert nun die Blumen vor ihr in der Vase und erklärt: „Ach, ist das nicht herrlich, wie draußen alles so schön blüht?“ – „Mama? Dir ist aber schon klar, dass eigentlich Ostern vor der Tür steht? Solltest du nicht eher über Ostern philosophieren?“ Roswita lacht und betont: „Klar ist mir das bewusst. Aber Frühling und Ostern kommen immer Hand in Hand.“

Die Großeltern gehen nach einer Stunde wieder und Lisa kommt nach zwei Stunden zum Mittagessen wieder ins Haus. Am Nachmittag geht sie wieder draußen im Garten. Auch die Nachbarstochter kam hinzu und so spielen die beiden gemeinsam. Bei dem warmen Wetter können Kinder auch sehr lange draußen spielen. Beide jungen Mädchen erzählten sich schon eifrig, wie sie sich jeweils unterschiedlich auf den Osterhasen freuen.

Schon am nächsten Tag ist Lisa wieder total aus dem Häuschen. Sie will eigentlich schon, dass es einen Tag später ist. „Morgen ist bald Schatz“, betont ihre Mutter dabei beim Mittagessen. „Jaja, aber warum kann es nicht jetzt schon sein? Das geht viel zu langsam.“ – „Irgendwann wird es dir zu schnell gehen“, kommentiert daraufhin ihr Vater. „Nein, sowas geht immer zu langsam.“ – „Täusch dich nicht, Schatz.“ An dem gleichen Abend kann Lisa kaum schlafen, da ihr klar ist, dass am nächsten Tag der Osterhase kommen wird.

Als Lisa am nächsten Tag aufwacht kann das jeder im Haus sogleich mitbekommen, da sie sofort voller Elan auf den Beinen ist und durch das Haus rennt und schreit: „Der Osterhase ist heute da, oder?!“ Die Mutter schaut die euphorische Tochter an und versucht sie zuerst ein wenig zu beruhigen und sie dann davon zu überzeugen zuerst einmal was zu essen und dann erst zu schauen, was der Osterhase denn so versteckt hat. Auch die beiden Großeltern sind zum Frühstück gekommen. Lisa muss sich dabei fast zwingen etwas zu essen. Sie will doch endlich suchen gehen und schauen, was der Osterhase denn so hiergelassen hat. Schließlich ist sie mit dem Essen soweit fertig und fängt an zu suchen. Ihre beiden Eltern und Großeltern begleiteten sie nur. Sie sucht zuerst im Wohnzimmer, dann in der Küche und dann im Keller. Schließlich findet sie im Keller ein Nest mit Schokoladehasen und Eiern, sowie andere Süßigkeiten. Sogleich jauchzt Lisa: „Süßes! Ganz viel Süßes für mich! Der Osterhase ist der beste.“ Mutter Sabrina lächelt und Arnold weist die Tochter darauf hin: „Aber Lisa, der Osterhase hat sicher auch gewollt, dass du das nicht alles auf einmal isst, sodass dir schlecht wird.“ Lisa nickt und nimmt sogleich das Nest mit. In der Küche angekommen sagt ihr Großvater: „Möchtest du nicht draußen noch schauen gehen?“ – „Opa, meinst du der Osterhase hat dort auch etwas versteckt?“ – „Kenne ich den Osterhasen? Aber es könnte doch sein.“ Lisa nickt und flitzt sogleich zur Garderobe und dann raus aus dem Haus mit ihren Eltern und Großeltern.

Nach langem hin und her vor dem Haus findet sie aber dennoch nichts. Da meint ihre Oma: „Vielleicht hat der Osterhase ja etwas hinter dem Haus versteckt.“ – „Meint ihr?“ – „Ja, vielleicht. Dort hast du zumindest noch nicht gesucht.“ Lisa nickt knapp und eilt hinter das Haus. Die Eltern und Großeltern als Schatten hinterher. Und hinterm dem Haus neben dem Schuppen wird sie ziemlich schnell fündig, als sie eine Decke zur Seite zieht. Vor ihr steht ein Käfig mit einem Hasen darin. Lisa sagt sofort: „Ein Hase . . .“ – „Ja, sieht so aus“, betont ihr Vater. Lisa geht näher zum Käfig hin, streckt ihre Hand hindurch und streichelt den Hasen leicht. Dann spricht sie zum Hasen: „Bist du ein Kind des Osterhasen?“ Roswita lächelt darauf und betont: „Das könnte ja sein, oder?

Der Osterhase hat sein Kind sicher absichtlich hier gelassen, da er sich sicher ist, dass du darauf aufpassen kannst.“ Lisa nickt und stellt klar: „Ja, ich werde gut auf das Kind des Osterhasen aufpassen.“

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Zur Person

Martin L. Blum

Geboren: 1990 in Dornbirn

Ausbildung: Studium Deutsch und Religion (Lehramt) in Innsbruck

Publikationen: in Zeitungen und Zeitschriften

Wohnort: Innsbruck und Klaus