Junge Meister legten los

Kultur / 29.03.2013 • 19:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Aaron Pilsan im Meisterkurs mit dem finnischen Kursleiter Matti Raekallio. Foto: Jurmann
Aaron Pilsan im Meisterkurs mit dem finnischen Kursleiter Matti Raekallio. Foto: Jurmann

Das Klavierfestival in Lindau bietet derzeit überaus spannende Meisterkurse.

Lindau. Perfekt gestartet ist diese Woche das 10. internationale Klavierfestival junger Meister. Das Eröffnungskonzert brachte einen ersten Überblick über das heurige künstlerische „Angebot“, tags darauf ging es beim ersten Meisterkurs bereits zur Sache. Vier angehende Pianisten holten sich wertvolle Anregungen bei einem der großen Klavierpädagogen unserer Zeit, dem Finnen Matti Raekallio.

Internationales Niveau

„Ich bin wahnsinnig positiv beeindruckt“, legt dieser im VN-Gespräch gleich in bestem Deutsch los. „Alles läuft perfekt und ist sehr gut durchdacht“, streut er dem Pianisten Peter Vogel Rosen, der sein Festival auch diesmal ohne öffentliche Zuwendungen, aber mit deutscher Gründlichkeit und ebenso viel Herz vorbereitet hat. „Durch den Altersunterschied sind einige Teilnehmer bereits fertige Künstler auf internationalem Niveau und interessante Persönlichkeiten, anderen muss man noch weiterhelfen, und dazu bin ich da“, lacht Raekallio und macht sich sofort an die Arbeit.

Das Publikumsinteresse an diesem Nachmittag ist relativ groß, im kuscheligen Stadttheater haben gegen einhundert Interessenten Platz genommen, darunter eine ganze Lindauer Schulklasse samt Lehrerin, die den jungen Meistern und vor allem dem berühmten Lehr-Meister von der Juilliard School New York näher auf die Finger sehen wollen. Auf der Bühne stehen nebeneinander zwei schwarze offene Flügel-Ungetüme, am vorderen nimmt die erste Kandidatin Platz, Susanna Kadzhoyan aus Usbekistan. Sie hat den Solopart eines Klavierkonzertes von Schostakowitsch vorbereitet, das sie später mit Orchester spielen wird. Raekallio mimt am zweiten Flügel in atemberaubender Virtuosität den Orchesterpart, springt immer wieder auf, hört jedes kleinste Detail, das noch auszufeilen wäre. Und gibt Tipps in seinem Spezialgebiet Fingersatz, über das er in Helsinki promoviert hat.

60 Klavierkonzerte

„Du spielst wirklich sehr gut, keine Sorge“, macht er der Pianistin am Ende Mut auf ihren Konzertauftritt. Und weiß, wovon er spricht. Denn Raekallio hat als Pianist mit einem unglaublichen Repertoire von 60 Klavierkonzerten und 20 CD-Einspielungen weltweit reüssiert, bevor er sich seit einiger Zeit mehr der Weiterbildung hochbegabter junger Pianisten widmet. Dazu zählt als Lokalmatador des Festivals auch „unser“ Aaron Pilsan aus Dornbirn, einer der jüngsten zwar unter den Teilnehmern, aber auch einer der reifsten.

Detaillierte Anregungen

Bei ihm ist die Situation im Kurs anders: Er spielt mit den ersten beiden Brahms-Balladen aus op. 10 zwei Solostücke, die er schon öffentlich aufgeführt hat. Raekallio steht neben ihm, verfolgt sein Spiel akribisch, unterbricht es, gibt immer wieder detailliert Anregungen, wie man eine Phrase anders deuten, eine Stelle neu gewichten könnte. Ganz ohne Zeigefinger, in einem Dialog, eigentlich fast auf Augenhöhe. Ruft nach einer Passage begeistert aus: „So ist es perfekt, lass das nicht los!“, ein andermal „Das sollte ein bisschen schlichter sein.“

„Raekallio hat einen sehr natürlichen Eindruck auf mich gemacht. Und ich kann sicher von dieser Begegnung und seiner großen Erfahrung profitieren“, resümiert Aaron nachher.

Wohltuend an diesem Nachmittag, dass dieser Unterricht auf hohem Niveau sehr konzentriert und ohne jenes Showgehabe abgeht, wie man es in den Meisterkursen eines Thomas Quasthoff bei der Schubertiade oftmals als störend empfunden hat.

Meisterkurse des Klavierfestivals mit Prof. Raekallio: 30. März, 2. /3. April, 14.00 – 17.00 Uhr, und 19.30 Uhr Vorspielabende im Stadttheater; Abschlusskonzert 7. April, 19.30 Uhr, Festspielhaus Bregenz