Nun ist Schluss mit lustig

Kultur / 29.03.2013 • 17:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Autor Franz Jung (1888–1963). Foto: Edition Nautilus
Autor Franz Jung (1888–1963). Foto: Edition Nautilus

Als „Das Trottelbuch“ vor 100 Jahren erschien, war es Sensation und Skandal.

Erzählungen. Mit seinem literarischen Debüt provozierte der deutsche Autor Franz Jung die bürgerlichen Vorstellungen von Literatur zutiefst und etablierte sich damit in der gerade entstehenden intellektuellen Subkultur. Nun liegt dieses lange vergessene Werk endlich in einer Neuauflage vor.

„Das Trottelbuch“ besteht aus vier in sich abgeschlossenen Kurzerzählungen. Die titelgebenden beiden Trottel ziehen in einer Art Geschichte in der Geschichte sturzbetrunken durch eine nächtliche Stadt, randalieren und deklamieren scheinbar unsinniges Zeug.

Auch die nächste Erzählung, „Der Weg über den Berg“, verstört durch vordergründige Derbheit und alkoholgetränkte

Beziehungs- und Gewaltexzesse.

Die Geschichte über „Die Erlebnisse der Emma Schnalke“ bildet in Umfang, Inhalt und Dramaturgie zweifellos den Höhepunkt des Buchs.

Kampf gegen Bürokratie

Auch die offenbar sehr attraktive Emma führt ein unstetes Leben und kann sich nicht zwischen Freiheit, zahlreichen Verehrern und den Verlockungen des Wohlstands bei Wahl des „richtigen“ Ehemannes entscheiden. Unbeirrt und mit einer gehörigen Portion Kaltschnäuzigkeit führt sie ein wahrhaft emanzipiertes Leben und wechselt die Unterkünfte und Dienstherren mindestens ebenso oft wie ihre Liebhaber. In einem verkrachten Poeten und Anar­chisten findet sie schließlich ihren kongenialen Partner. Zum Ende der Erzählung sinken sich denn auch die beiden, ganz anti-Happy-End-mäßig, gezeichnet von den vielen Auseinandersetzungen und Überlebenskämpfen, erschöpft in die Arme. „Der tolle Nikolaus“ erzählt vom beherzten, aber erfolglosen Kampf eines Landadligen gegen die Willkür der staatlichen Bürokratie.

Trotz seines stattlichen Alters hat „Das Trottelbuch“ nichts von seiner Frische und Dreistigkeit verloren. Damals wie heute war Schluss mit lustig, und weite Teile der Leserschaft erkannten sich wieder in der von Franz Jung gekonnt in Literatur umgesetzten Befindlichkeit von ökonomischer und politischer Unsicherheit, ideologischem Nihilismus und der dumpfen Ahnung kommender gesellschaftlicher Umwälzungen, bei denen kein Stein auf dem anderen bleiben sollte.

Franz Jung: „Das Trottelbuch“, Edition Nautilus, Verlag Lutz Schulenburg, Hamburg