Wärme, Rückzug und geschäftiges Gesumse

Kultur / 29.03.2013 • 19:34 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Boden, Wände, Decke – alles aus Bienenwachs für Maxim Gorki.

Zürich. (VN-tb) Ja, in der zehnten Parkettreihe riecht es unverkennbar nach Wachs. Natürlich können diese ach so symbolischen Kulissen ihre Tücken haben. Aber das Bühnenbild für Maxim Gorkis „Kinder der Sonne“ in der Regie von Daniela Löffner am Schauspielhaus Zürich darf doch als gelungeneres Beispiel dieser Spezies bezeichnet werden. Mit Wachs assoziieren wir unter anderem: Wärme, Rückzug, geschäftiges Gesumse eines Bienenvolks. Das passt für die in neurotischer Selbstabschottung sich ereignende Dauerkonversation einer Menschengruppe.

„Kinder der Sonne“

Rainer Bock führt uns oben den Experimentalchemiker Protassow, der mithilfe von synthetischem Eiweiß alle Menschen zu glücklichen „Kindern der Sonne“ machen will, als selbstsüchtigen Trampel vor, der für die zwischenmenschliche Chemie kein Gespür hat.

Dunkel grundierte Komik

Bei Gorki, der die tragikomische Szenenfolge 1905 in Gefangenschaft schrieb, geht es um die handlungsunfähige, von der wahren Not des Volkes abgekoppelte russische Intelligenzija am Vorabend der Revolution. Löffner zeigt uns diese Gestalten, ohne krampfige Aktualisierung, als Menschen von heute, die die Neigung haben, das Private in alle Lebensbereiche auszudehnen und damit auch über drängendere Probleme zu stellen.

Immer wieder kommt Gorkis dunkel grundierte Komik über die Rampe. Ja, manchmal erscheinen die Figuren fast wie zu einem Kuriositätenkabinett typisiert – aber ohne sie hierbei zu entwerten.

Die nächste Aufführung findet am 8. April statt, Infos unter: www.schauspielhaus.ch