„Der Verlust für die Region wäre groß“

Kultur / 22.04.2013 • 22:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Rund 30.000 Besucher aus aller Welt kommen alljährlich zur Schubertiade nach Schwarzenberg. Foto: Schubertiade
Rund 30.000 Besucher aus aller Welt kommen alljährlich zur Schubertiade nach Schwarzenberg. Foto: Schubertiade

Gemeinde Schwarzenberg behindert Schubertiade. Festival steht dort vor dem Aus.

Christa Dietrich

Schwarzenberg. Wie schafft er das nur? Diese Frage beschäftigt Musikfreunde wie Beobachter gleichermaßen. Seit bald 40 Jahren gibt es die Schubertiade und nach einem im Vergleich zu heute bescheidenen Umfang beim Start, bietet Festival-Macher und -Leiter Gerd Nachbauer Jahr für Jahr mehrere Konzertserien an und holt damit Tausende Besucher ins Land. Ein hohes Niveau der Darbietungen ist quasi Gesetz. Dass er die jeweils Besten ihres Faches, das heißt, die absolut Etablierten und dazu junge Sonderbegabungen engagiert, weiß das Publikum zu schätzen. Für Nachbauer zählt aber auch das Ambiente. Er bietet seinen Zuhörern ein Gesamtpaket, wie sie es anderswo nicht bekommen, denn Festivals, so betont er, schießen gerade in den letzten Jahren da und dort aus dem Boden und seine Stars der Lied- und Kammermusikszene treten unter anderem auch in jenen größeren Städten auf, aus denen sein Publikum nach Vorarlberg anreist.

Anderswo werden Festivals und Konzertserien aber öffentlich unterstützt, die Schubertiade kommt ohne Subventionen aus. Der Region Bregenzerwald bzw. der Gemeinde Schwarzenberg als Austragungsort bringt sie jedoch rund 30.000 Besucher. Allein auf Grund der Ticketbuchungen hat Nachbauer etwa 14.000 Nächtigungen errechnet, Bürgermeister Armin Berchtold erhöht im Gespräch mit den VN diese Zahl deutlich, denn viele Konzertbesucher hängen noch ein paar Urlaubstage an und außerdem sei die bis nach Übersee reichende Schubertiade-Werbung auch eine Werbung für die Region.

Gemeinde behindert Planung

Damit könnte es demnächst vorbei sein. Nachdem Nachbauer, wie ein den VN vorliegender Schriftverkehr beweist, monatelang erfolglos darum gebeten hat, ihm einen Termin für den Alptag zu nennen, an dem das Festival nachweislich nicht stattfinden kann, hat er dem Bürgermeister nun ein Ultimatum gestellt. Langt am 25. April keine Garantieerklärung ein, die eine Terminkollision ausschließt, findet 2014 in Schwarzenberg überhaupt keine Schubertiade mehr statt. Aus Rücksicht auf die Älpler hätte Nachbauer sein Festival ohnehin gekürzt.

Einer langen Tradition folgend, hat der Alptag (das heißt der Tag des Almabtriebes), der in ein großes Volksfest mündet, jeweils Mitte September stattgefunden und die Schubertiade nicht tangiert. In letzter Zeit wurde er vorverlegt, nun könne man, heißt es bei der Gemeinde, nicht sagen, wann es so weit sein wird. Berchtold spricht von Witterungsbedingungen wie Schneefall, die nicht planbar seien, in früheren Jahren allerdings aber auch nicht zu einem fluchtartigen Verlassen der Alpen geführt haben. Aus dem erwähnten Schriftverkehr geht hervor, dass der Bürgermeister die Alpverantwortlichen offenbar schwer an einen Tisch bekommt.

Schadenersatzforderungen

Das Nachsehen hat Gerd Nachbauer, der Berchtold nun darauf aufmerksam macht, dass er nach den Erfahrungen des letzten Jahres Schadenersatzforderungen an die Gemeinde stellen wird, wenn er auf Grund des Alptages Konzerte absagen muss. Dasselbe gelte dann, wenn die Konzerte rund um den Angelika-Kauffmann-Saal durch landwirtschaftliche Arbeiten gestört werden. Nachbauer verteidigt seine Maßnahme im Gespräch mit den VN damit, dass er gar keine Vormittags- oder Nachmittagskonzerte angesetzt hätte, wenn ihm von Seiten der Gemeinde nicht immer wieder die Lösung solcher Probleme versprochen worden wäre. Die einzige Alternative zu Schwarzenberg, wo Nachbauer vor einem guten Jahrzehnt den Ausbau des Kauff­mann-Saales initiiert hat, ist Hohenems. Er hat, so der auf Einigung hoffende Nachbauer, nicht im Sinn, die Schubertiade nur dort auszurichten. Bgm. Berchtold bringt es nämlich auf den Punkt: „Der Verlust für die Region wäre groß.“ ##Christa Dietrich-Rudas##

Es gibt die zeitlich fixierte Schubertiade und andererseits die nicht planbare Alpbewirtschaftung.

Bürgermeister Armin Berchtold

In Schwarzenberg will man nicht realisieren, was man Jahr für Jahr gratis angeliefert bekommt.

Festival-Chef Gerd Nachbauer

Die Schubertiade Schwarzenberg findet heuer vom 14. bis 23. Juni und vom 27. August bis 8. September statt