Glanzvoll, ob Blech oder Viechereien

28.06.2013 • 19:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pferdeballett und Barockmusik – damit wird man dem Motto „Kitsch und Kult“ gerecht. Foto: VN/Steurer
Pferdeballett und Barockmusik – damit wird man dem Motto „Kitsch und Kult“ gerecht. Foto: VN/Steurer

„Balletto a Cavallo“ hieß es gestern Abend wohl erstmals im
Montafon.

Christa Dietrich

Vandans. Schmelzer ohne Schmalz und Pferde ohne Äpfel: So oder so ähnlich lässt sich der Auftakt des Festivals Montafoner Sommer am gestrigen Abend umschreiben. Wenn der künstlerische Leiter Nikolaus Netzer das Motto „Kitsch und Kult“ ausruft, dann meint er es auch so und ließ daher nicht nur ein Pferdeballett auftanzen, sondern hielt den Dirigenten Thomas Platzgummer auch dazu an, seine Bläser und Streicher der äußerst stark besetzten Camerata Argentea derart zu trainieren, dass sie auch in der Spanischen Hofreitschule eine gute Figur gemacht hätten.

Aber Moment, wir sind nicht in Wien, sondern im Montafon, auf einer Wiese unter einer – verdammt – immer noch schneebezuckerten Felswand, und auch wenn die Pferde nicht von einem Gestüt in der Steiermark, sondern aus Norddeutschland stammen, ist der Verweis auf die barocke Reitkunst, die in Prag und in Wien so kultiviert wurde, dass sie auch aus heutiger Sicht nicht nur kitschig sein kann, schlichtweg gültig.

Für die Güte der Auftaktveranstaltung sorgten freilich nicht nur die exzellenten Reiterinnen Gaby Schumann und Kathrin Stehr im – pardon – doch recht üppigen Gewand, sondern eine Programmzusammenstellung, die auch ohne ein optisches Erlebnis Besonderheitswert hätte.

Für Auge und Ohr

Johann Heinrich Schmelzer (1623 bis 1680) heißt einer der Komponisten, an den erinnert wurde. Er agierte einst am Habsburger Hof und hinterließ neben wertvollen Neuerungen im Bereich der Instrumentalmusik jenes „Balletto a Cavallo“, das gestern auch bei auffälliger Bedienung des Auges so recht ins Ohr ging, während eine Serenata ob der trotz der notwendigen Technik zu hörenden Feinabstimmung in Platzgummers Ensemble aufhorchen ließ. Und auch Johann Joseph Fux (1660 bis 1741) war eine gute Wahl, ging es doch darum, dem noch nicht so geeichten Teil des Publikums die Schönheit barocker Musik so zu präsentieren, dass es ohne Umschweife auch einmal ein Konzert besucht, in dem man auch ganz ohne Viechereien auskommt.

Die Sinfonia zur Oper „Costanza e fortezza“ ist so ein Stück oder erst die bedächtigere Serenata con altre ariae von besagtem Schmelzer, die – richtig programmiert – vor leerer Koppel dargeboten wurde. Da ist jede Ablenkung überflüssig, hatten die weit entfernt sitzenden Zuhörer ohnehin genug zu tun, die Sinne zu schärfen, um die Klänge genießen zu können. So lange, bis mit den Pferden zwar kein barocker Prunk aufkam, aber doch weit mehr als die Ahnung davon. ##Christa Dietrich-Rudas##

Mit „Musik vor Ort“ ging es am Freitagvormittag in Schruns los.
Mit „Musik vor Ort“ ging es am Freitagvormittag in Schruns los.

Das Festival „Montafoner Sommer“ dauert bis 7. Juli. 29. Juni, 20 Uhr: Wirtshausoper im Vereinshaus Silbertal; 30. Juni, 9 Uhr: Gottesdienst mit den Wiltener Sängerknaben in der Pfarrkiche Schruns