Jung, virtuos, mit Entdeckerlust

05.08.2013 • 19:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Aaron Pilsan bei „Musik & Poesie“. Foto: Bregenzer Festspiele/Anja Köhler
Aaron Pilsan bei „Musik & Poesie“. Foto: Bregenzer Festspiele/Anja Köhler

Der 18-jährige Pianist Aaron Pilsan stellte sich empathisch in den Dienst Tchaikowskys.

Christa Dietrich

Bregenz. So unspezifisch der Titel „Musik & Poesie“ auch klingt, die Reihe erweist sich als bestens intendiert, grandios besetzt und sie hat inzwischen enorme Zugkraft. Ein Garant dafür war am Sonntagabend der junge Vorarlberger Pianist Aaron Pilsan, der die Wiederentdeckung des Bregenzer Festspiele-Sommers, nämlich den Komponisten und Musiker André Tchaikowsky (1935–1982), so souverän zwischen Karol Szymanowski (1882–1937) und Frédéric Chopin (1810–1849) bettete, dass das Publikum nur noch fasziniert zuhören konnte.

Wenn die in Bregenz uraufgeführte Oper „Der Kaufmann von Venedig“ nun nach der Übernahme durch das Wielki-Theater in Warschau auch nach London kommt und hie und da auf den Spielplänen auftaucht, wenn weitere Kompositionen von Tchaikowsky etwas selbstverständlicher in die Konzertprogramme übernommen werden, dann hat Intendant David Pountney sehr viel erreicht.

Filigran-schwungvoll

Die Auseinandersetzung mit dem OEuvre hat Aaron Pilsan nun bestens mit einer österreichischen Erstaufführung ergänzt. Ein Tango und eine Mazurka aus den nicht mehr fertig gestellten „Sechs Tänze für Klavier“ vermitteln kompositorische Themen Tchaikowskys, die der junge Pianist entdeckerfreudig filigran-schwungvoll zur Wirkung kommen lässt. Sie mit den Werken aus dem Klavierzyklus „Métopes“ von Szymanowski in Verbindung zu bringen, war nicht nur hinsichtlich der Raritätenpflege der Bregenzer Festspiele eine gute Idee, hatte man diesen polnischen Komponisten doch vor ein paar Jahren mit der Oper „König Roger“ hier kennengelernt. Pilsan legt die Interpretation farbenreich-expressiv an. Trotz aller Freiheiten, die Szymanowski dem Pianisten gewährt, driftet er nie auch nur einen Moment ins Geschmäcklerische ab. Dass er bei Chopin in diesem Sinne verfährt, das weiß man und das genießt man.

Der bekannte deutsche Schriftsteller Michael Krüger hat seine Textauswahl mit dem Ziel getroffen, die Wahrnehmung zu schärfen und sich damit ebenfalls ganz in den Dienst der Musik dieses Abends gestellt.

Die Bregenzer Festspiele
dauern noch bis 18. August.
Nächstes Konzert: 11. August, 11 Uhr, Wiener Symphoniker