Mit Prädikat „hörenswert“

Kultur / 06.08.2013 • 21:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sir Mark Elder holte einiges aus den Wiener Symphonikern heraus. Foto: Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis
Sir Mark Elder holte einiges aus den Wiener Symphonikern heraus. Foto: Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis

Von britischer Zurückhaltung war beim dritten Orchesterkonzert keine Rede mehr.

Bregenz. Sie fühlten sich sichtlich wohl unter dem Dirigat Sir Mark Elders, der mit den Wiener Symphonikern am vergangenen Montag ein Festspiel-Orchesterkonzert ertönen ließ, das das Prädikat „hörenswert“ mit jeder Note verdiente. Das begann mit Franz Schrekers Kammersymphonie für 23 Solo­instrumente und endete nach rund zwei Stunden Musik mit Applaus, Applaus und noch einmal Applaus.

Dazwischen lagen Benjamin Brittens Orchesterliedzyklus „Our Hunting Fathers“ und Antonin Dvoraks Symphonie Nr. 8 G-Dur, op. 88. Schön, wie sich da die Verbindungen abzeichneten, wie ein Werk scheinbar selbstverständlich zum nächsten überleitete und ebenso schön, wie Schreker und Dvorak Brittens Liedzyklus sensibel zu rahmen schienen. Wobei damit nicht gemeint sein soll, dass Schrekers Werk „nur“ als schöner Rahmen fungierte. Nein, damit wäre jenem Mann, dessen Opern zu seiner Zeit mit jenen Richard Strauss‘ und Richard Wagners ernst zu nehmend konkurrierten, auch Unrecht getan. Vielmehr ist seine Kammersymphonie wirklich das, was sie auch sein will – ein Stück Musik für 23 Soloinstrumente, das 23 Solisten fordert, sie ins Wechselspiel miteinander bringt, sie auftrumpfen lässt und dennoch alles in Harmonie ausschwingen lässt. So gibt sich das Werk auch als „Buchstabierhilfe“ für die Musiksprache Schrekers, der expressive Elemente ebenso vertraut sind wie die ausbalancierte, harmonische Glättung.

Auf eine kurze Atempause folgte dann Benjamin Brittens Liedzyklus „Our Hunting Fathers“, der erste von vieren. W. H. Auden, englischer Lyriker und Freund Brittens, spannte dafür eine thematische Brücke über eine Reihe von drei Gedichten, fügte ein bereits bestehendes Gedicht als Epilog hinzu und verfasste einen einführenden Prolog. Nun, worum geht es – auf den ersten Blick sind es kurze, vertonte Gedichte, die den Menschen und sein Verhältnis zu Tieren darstellen. Der Epilog und noch viel mehr der Prolog aber machen klar, dass diese Beziehungen in ihren ganz verqueren Ausformungen deutlich ablesbare Verbindungen zu den politischen Geschehnissen der 1930er-Jahre aufweisen.

Charakter und Tiefe

Sprechgesang, wechselt sich dabei mit melodiösen Passagen ab, um manchmal opernhaft, manchmal flüsternd dem Inhalt der Worte Ausdruck zu verleihen. Und es ist dem jungen britischen Tenor Allan Clayton wirklich nicht hoch genug anzurechnen, wie sehr er diese „Doppelrolle“ zwischen Gesang und Schauspiel meisterte. Dazu kommt, dass Britten die Gesangspartie sehr hoch eingerichtet hat und damit seinen Interpreten einiges an Stimme, Können und Ausdruck abverlangt. Allan Clayton hat diese musikalische Herausforderung angenommen und bravourös gemeistert. Nicht die geringste Unsicherheit trübte die Erfahrung von Charakter und Tiefe, die selbst den Musikern ein „Bravo“ über die Lippen huschen ließ. Überhaupt, Sir Mark Elder holt einiges aus den Wiener Symphonikern heraus, und sie folgen ihm gerne. Sie fühlen sich wohl, und das hört man auch. Sie sind taktvoller Begleiter und ebenso souveräner Solist, auch wenn zu Beginn von Dvoraks Symphonie leichte Startschwierigkeiten zu bemerken waren, die sich dann allerdings sehr schnell in weit ausgebreiteten Musiklandschaften, strahlendem Blech und sanften Streicherwellen bis hin zum wuchtigen Finale verflüchtigten. Mindestens ebenso wuchtig fiel dann absolut berechtigt der Applaus aus, unter den sich lautstarke Bravo-Rufe seitens des Publikums mischten, die von Sir Mark Elder mit britischem Understatement und dennoch sichtbarer Freude quittiert wurden. Ein Konzert, das die Marke „Festspiele“ verdient hat.

Nächstes Orchesterkonzert: 11. August, 11 Uhr, Festspielhaus. Wiener Symphoniker unter Adam Fischer und Symphonikertag von 13 bis 16 Uhr