Diesen „Furien“ lauscht man gerne

Kultur / 08.08.2013 • 20:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nach dem großen Erfolg des Lech Classic Music Festivals im letzten Jahr wurde das Festival erneut auf die Beine gestellt. Fotos: Lisa Fail
Nach dem großen Erfolg des Lech Classic Music Festivals im letzten Jahr wurde das Festival erneut auf die Beine gestellt. Fotos: Lisa Fail

Mit einem Streifzug durch die Musik des Barock startete das Lech Classic Music Festival.

Lech. Es hat seinen Reiz, mitten in die Bergwelt um Lech ein Musik-Festival zu setzen. Es reizt noch mehr, Musiker für sich zu gewinnen, die die Herausforderung annehmen, die ambitionierten Ansprüche, die das Lecher Festival an sich stellt, auch umzusetzen. Das alles kann und darf das Lech Classic Music Festival für sich reklamieren. Und so galt es, beim Eröffnungskonzert am vergangenen Mittwoch, das mit der neuen Lecher Kirche seinen besonderen „Konzertsaal“ fand, der Musik des Barock zu lauschen.

Eröffnungsgalakonzert

Kurz zur Geschichte des noch jungen Festivals. Die Idee dazu geisterte schon länger in den Köpfen findiger Musikliebhaber herum. 2012 wurde die Idee Realität und das erste Lech Classic Music Festival wurde aus der Taufe gehoben. Sehr erfolgreich übrigens.

Und so entschloss man sich kurzerhand, dieses Sommer­erlebnis kein einmaliges bleiben zu lassen und machte sich an die Programmierung des zweiten Lech Classic Music Festivals, zu dem sich junge Könner ihres Fachs derzeit in Lech versammeln. Das nahm beim Eröffnungs­galakonzert mit Martin Haselböck, der den Dirigenten, den Moderator und Organisten in Personalunion gab, seinen Anfang, setzte sich mit dem Lech-Festival-Orchester fort, um schließlich beim Violinvirtuosen Edwin Kim, der versierten Oboistin Emma Black und der jungen Mezzosopranistin Lena Belkina anzukommen, deren Stimme ihr bestes Argument ist.

Gut, und welchen Klängen galt es zu lauschen? Da war zum Beispiel Händels Konzert für Orgel und Orchester g-Moll op. 4/1, Vivaldis Concerto grosso a-Moll op. 3/8 oder auch Joseph Haydns Doppelkonzert für Violine, Orgel und Orchester F-Dur.

Musikalisches Zwiegespräch

Konzertleiter Martin Haselböck eröffnete mit Händel den musikalischen Abend auf der Rieger-Truhenorgel, um gleich darauf das Feld Vivaldi, seinem Orchester und dessen Solisten zu überlassen.

Und dann: Edwin Kim und Martin Haselböck mit Haydns Doppelkonzert im musikalischen Zwiegespräch. Wirklich schön musiziert, sensibel gestaltet und alles mit der Aura der spielerischen Leichtigkeit umgeben. Der zweite Teil des Konzerts wies auf der organisatorischen Seite einige Änderungen auf – musste doch Tenor Edgardo Rocha seinen Auftritt aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen. Und man löste diese kleine Herausforderung einfach, indem man mit Emma Black eine der gefragtesten Barock-Oboistinnen für das Festival gewinnen konnte. Die setzte die Musikalität des Concerto für Oboe und Orchester d-Moll von Alessandro Marcello frei, fügte alles souverän zusammen, sodass der Charakter des Werks sich frei entfaltete. Und schließlich, aber ganz sicherlich nicht zuletzt, Lena Belkina.

Applaus war sicher

Die junge Mezzosopranistin aus der Urkaine ließ zunächst schmunzeln, als Martin Haselböck erklärte, dass Belkina in der Auswahl des Programms völlig frei war und durchwegs „Furien“ für sich und ihre Stimme wählte.

Dann aber hob sie an mit Händels „Crude furie degli orridi abissi“ aus der Oper „Xerxes“, Glucks „Che faro senza Euridici“ aus der Oper „Orfeo“ und setzte mit Vivaldis „Armatae face et anguibus“ einen Schlusspunkt, der jeder Furie – und das sei im besten Sinne des Wortes verstanden – alle Ehre gemacht hätte.

Der Applaus war allen Solisten wie auch dem Orchester des Lech Classic Music Festivals sicher, und eine erfolgreiche Fortsetzung in seiner zweiten Saison ist dem Lecher Festival nur zu wünschen.

20 engagierte Profimusiker kommen auch heuer wieder nach Lech zu Proben und zu Aufführungen. Edwin Kim ist der Hauptsolist des Festivals.
20 engagierte Profimusiker kommen auch heuer wieder nach Lech zu Proben und zu Aufführungen. Edwin Kim ist der Hauptsolist des Festivals.

Weitere Konzerte des Lech Classic Music Festivals heute um 17 Uhr und am 10. August um 17 Uhr, jeweils in der neuen Kirche, Programm unter: www.lech-classic-music-festival.com