Leben in vollen Zügen genießen

Kultur / 08.08.2013 • 17:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Rolando Villazón feierte seinen größten Erfolg mit der Interpretation des Alfredo in der Oper „La Traviata“ mit Anna Netrebko. Foto: APA

Rolando Villazón feierte seinen größten Erfolg mit der Interpretation des Alfredo in der Oper „La Traviata“ mit Anna Netrebko. Foto: APA

Opernstar Rolando Villazón hat in Mozarts „Lucio Silla“ bei den Salzburger Festspielen mitgewirkt.

Salzburg. (VN-lh) Zum Abschied aus Salzburg präsentierte sich der Startenor Rolando Villazón wieder in bester Laune. Nächstes Jahr wolle er wieder an die Salz­ach kommen, zur Mozartwoche und auch zu den Festspielen.

Sie waren für Mozart hier, aber 2013 ist ja das Jahr des Giuseppe Verdi. Eine CD mit Verdi-Arien haben Sie schon vor einem halben Jahr veröffentlicht. Wenn Sie die Chance hätten, Papa Giuseppe zum Dinner zu treffen, was würden Sie ihn fragen?

Villazon: Zuerst würde ich ihn fest umarmen, dann würde ich sagen: „Danke, Maestro!“ Und schließlich würde ich für ihn singen und ihn bitten, mir zu sagen, wie ich seiner Meinung nach näher an die Idee der Seelen herankommen kann, über die er komponiert hat.

Verdi hat ja große Bedeutung in Ihrem Leben, denken wir an den Riesenerfolg von „La Traviata“ im Jahr 2005. Damals hatte man das Gefühl, auch für Rolando Villazón: Jeden Tag Party! Was hat sich mittlerweile geändert?

Villazon: Natürlich verändern sich die Dinge über die Zeit und entwickeln sich weiter, aber wenn ich mich heute in Salzburg umschaue, ist ähnlich viel los wie damals. Ich zumindest esse noch genauso gern ein Wiener Schnitzel und trinke ein kühles Bier wie damals. Zu jener Zeit aber war ich zum Beispiel noch nicht Dr. Rollo, der mit den Roten Nasen und Clown Doctors Kinder im Krankenhaus besucht. Geblieben sind auch die wirklich guten Freunde. Und die Musik, die bleibt auch.

Clown zu sein, das ist etwas sehr Wichtiges für Sie?

Villazon: Ja, denn Clown zu sein, hat auch etwas sehr Poetisches an sich. Es ist ein Spiegel unserer Seele.

Man bezeichnet Placido Domingo als Ihren Mentor. Was ist das wichtigste Element dieser Freundschaft?

Villazon: Für mich ist er einer der größten Künstler überhaupt, und ich bin sehr froh, dass ich ihn zu Beginn meiner Karriere kennenlernen durfte und er mir seither mit Rat und Tat zur Seite steht.

Sie haben zuletzt auch eine Art Road Movie mit dem Titel „My Mexico“ gedreht?

Villazon: Ja, und dieser Film soll demnächst als DVD erscheinen. Im Moment mache ich auch viel Fernsehen, präsentiere Sendungen für ARTE, ZDF und BBC. Das ist eine tolle Abwechslung zur Arbeit als Sänger.

Im kommenden Jahr haben wir Fußball-WM in Brasilien. Für Sie als großer Fußball-Fan ein Grund, in dieser Zeit alles andere abzusagen?

Villazon: Sicher werde ich mir ein paar Spiele ansehen. Absagen werde ich deswegen aber nichts, ich freue mich zum Beispiel schon auf meine erste „Entführung aus dem Serail“, die wir für DG aufnehmen werden. Die dritte Aufnahme von insgesamt sieben der letzten Mozart-Opern. „Don Giovanni“ gibt es schon, und nun auch „Cosi fan tutte“.

Was sind Ihre aktuellen Pläne?

Villazon: Die nächste Spielzeit steht ganz im Zeichen von Mozart. Ottavio, Ferrando und Belmonte, und Konzertarien auf Europatournee. Ich habe mit Tony Pappano auch eine CD damit aufgenommen, die Ende Jänner erscheint. Ich freue mich außerdem auf den Lenski an der Met und in Wien. Dann kommen einige Regieprojekte, auch hier in Österreich. Mir ist Abwechslung wichtig, und ich möchte das, was ich tue, immer in vollen Zügen genießen.

Placido Domingo ist für mich einer der größten Künstler überhaupt.

Rolando Villazon

Zur Person

Rolando Villazón

Französisch-mexikanischer Opernsänger

Geboren: 22. Februar 1976 in Mexiko-Stadt

Laufbahn: 1999: Beginn der internationalen Karriere; Villazón sang an den größten Opernhäusern der Welt; 2005: großer Erfolg mit Anna Netrebko in der Oper „L‘elisir d‘amore“ an der Wiener Staatsoper; weltbekannt wurde Villazón mit seiner Interpretation des Alfredo in der Oper „La Traviata“ mit Anna Netrebko bei den Salzburger Festspielen im Jahr 2005, 2008: Film „La Bohème“ mit Anna Netrebko, etc.

Familie: verheiratet, zwei Söhne