Inspektor Avi ermittelt

Kultur / 09.08.2013 • 17:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der erste Krimi von Dror Mishani spielt in Tel Aviv. Weitere sollen folgen. Foto: AP
Der erste Krimi von Dror Mishani spielt in Tel Aviv. Weitere sollen folgen. Foto: AP

Dror Mishani gibt in „Vermisst“ einer klassischen Krimi-Situation zahlreiche neue Wendungen.

Roman. Unspektakulär lässt Dror Mishani seinen ersten Krimi beginnen. Eines Abends kommt eine Frau in eine Polizeiwache in Tel Aviv, um ihren 16-jährigen Sohn als vermisst zu melden. Inspektor Avi Avraham hat keine Lust, sich um die Anzeige zu kümmern. Also versucht er, die Mutter mit einem faden Witz loszuwerden: „Warum gibt es hierzulande keine Kriminalromane? Einen großen Unbekannten gibt es bei uns nicht. Und es braucht keine komplizierten Ermittlungen, um den Täter zu finden und das Geheimnis zu lüften.“

Aber so einfach ist der Fall im Buch des Israelis Dror Mishani dann doch nicht. Am nächsten Tag ist die Frau wieder da, denn ihr Sohn Ofer ist weiterhin verschwunden. Eher lustlos nimmt nun der kettenrauchende Einzelgänger Avi die Suche nach Spuren und Indizien auf, stößt aber schon sehr bald an Grenzen.

Zwei Männer stehen im Mittelpunkt des Romans. Neben Avi, der mit Leib und Seele Polizist ist, hat der Autor Seev gestellt, den Nachbarn, der Ofer Nachhilfeunterricht gegeben hat und ihn besonders gut zu kennen meint. Immer abwechselnd beschreibt Mishani, wie Avi Verhör an Verhör reiht und wie Seev versucht, sich in die Ermittlungen zu drängen. Je länger die Sache dauert, umso seltsamer verhält sich der Nachbar. Schließlich macht er sich selbst zu einem der Hauptverdächtigen.

Spannung gut gehalten

Mishani gelingt es, die Spannung aufrechtzuhalten. Die Leser wissen zu keinem Zeitpunkt mehr als die Ermittler, und die wechselnden Perspektiven tragen dazu bei, die wachsende Verzweiflung der Personen zu verstehen. Avi verbeißt sich mehr und mehr in den Fall, und Seev kommt sich schließlich „wie ein Betender in der Synagoge vor, der sich in seinen Gebetsmantel hüllt, obgleich Gott nicht in seinem Herzen ist“.

Der Autor hat angekündigt, dass er weitere Romane um Inspektor Avi Avraham schreiben will. „Vermisst“ lässt hoffen, dass es bald mehr Krimis aus Israel zu lesen gibt. Spannende Ermittlungen hat er auf jeden Fall zu bieten.

Dror Mishani: „Vermisst“, Zsolnay