Von der Kraft des Atems

Kultur / 09.08.2013 • 19:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der kanadische Künstler Max Streicher ist mit seinen bekannten Inflatables vertreten. Dahinter: „Das archimedische Prinzip“ von Ines Agostinelli.  Fotos: Agostinelli
Der kanadische Künstler Max Streicher ist mit seinen bekannten Inflatables vertreten. Dahinter: „Das archimedische Prinzip“ von Ines Agostinelli. Fotos: Agostinelli

Heute wird der Garten der ehemaligen Lungenheilstätte Gaisbühel Schauplatz einer besonderen Veranstaltung.

Bludesch. Die ehemalige Lungenheilstätte Gaisbühel weckt vielerlei Assoziationen. Errichtet wurde sie in der Zeit des Ersten Weltkrieges, um der sich epidemisch ausbreitenden Tuberkulose entgegenzutreten. Über viele Jahrzehnte wurden dort Patienten betreut. Seit 2008 steht das Gebäude weitgehend leer, lediglich einzelne Räume dienen verschiedenen kulturellen Institutionen als Lager.

20 internationale Künstler

So auch am heutigen Samstag, wo der Garten für einen Tag lang Schauplatz einer besonderen Veranstaltung wird: Kuratiert von der Vorarlberger Künstlerin Ines Agostinelli und Isabella Marte, bespielen 20 internationale Künstler die Liegeterrassen, die einst für die Freiluftkuren der Kranken errichtet wurden. Vor dem beeindruckenden Panorama des Walgaus werden in der Atmosphäre eines Sommerfestes vielfältige Positionen zeitgenössischer Kunst gezeigt, die sich mit ihren Themen „Luft“ und „Atem“ auf die Ursprünge des Gebäudes beziehen. Die Werke der Künstler entstammen einem breiten medialen Spektrum. Video- und Soundinstallationen werden ebenso zu sehen sein wie Malerei, Zeichnung, Skulptur und Performance.

Ein neues Wesen entsteht

Ines Agostinelli zeigt die Arbeit „Das archimedische Prinzip“. Einige der jetzigen Bewohner Gaisbühels – Asylwerber aus Europa, Afrika und Asien – haben dafür Modelle von Heißluftballonen aus Papiermaché gefertigt, jeweils aus Zeitungspapier ihrer Herkunftsländer. Die poetische Installation erzählt nicht nur von einem physikalischen Prinzip, sondern auch davon, sich den Luftströmen zu überlassen, den Ungewissheiten einer Reise und der Anforderung, oftmals selbst „leichter als Luft“ zu sein.

Ines Doujak hat für Gaisbühel, wo sie selbst vor langer Zeit Patientin war, eine Performance mit dem Titel „etwas fehlt“ konzipiert. Ein Kopf mit fast einem Meter Durchmesser. Dieser wird wie ein Kleidungsstück angelegt – ein neues Wesen entsteht. Der kanadische Künstler Max Streicher ist mit seinen Inflatables vertreten: Zwei lebensgroße menschliche Figuren werden und vergehen in stetem Rhythmus. Der deutsche Künstler Ottmar Hörl präsentiert seine Serie der Matterhörner. Sie stehen einerseits für Höhen, in denen die Luft dünn zu werden beginnt, und andererseits als Metapher für Herausforderungen, die „einen langen Atem“ voraussetzen, an denen Lebenskraft, Ausdauer und die Möglichkeiten des Körpers deutlich werden.

Um dem Thema der Ausstellung auch auf theoretischer Ebene begegnen zu können, ist eine Dokumentation der künstlerischen Arbeiten in Form einer Publikation geplant.

Der deutsche Künstler Ottmar Hörl präsentiert seine Serie der Matter­hörner.
Der deutsche Künstler Ottmar Hörl präsentiert seine Serie der Matter­hörner.
Performance „etwas fehlt“ der documenta-Künstlerin Ines Doujak.
Performance „etwas fehlt“ der documenta-Künstlerin Ines Doujak.

Begrüßung heute, Samstag, um
11 Uhr in der ehem. Lungenheilstätte Gaisbühel, Führungen um 11.30,
15 und 19 Uhr; Kinder- und Jugendprogramm ab 12 Uhr; Kulinarische und musikalische Highlights