Die klingende Charmeoffensive

Kultur / 11.08.2013 • 21:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Adám Fischer bot mit den Wiener Symphonikern am gestrigen Vormittag einen begeisternden „Gruß aus Wien“. Foto: Bregenzer Festspiele/Mathis

Adám Fischer bot mit den Wiener Symphonikern am gestrigen Vormittag einen begeisternden „Gruß aus Wien“. Foto: Bregenzer Festspiele/Mathis

Die Festspiele-Matinee machte erneut klar, dass sich mit Musik mehr ausdrücken lässt.

Bregenz. Mit einem „Gruß aus Wien“ bekundete das Festspielorchester gestern in einer schwungvollen Matinee zum Auftakt des Symphonikertages dem Bregenzer Publikum seine Dankbarkeit als „Orchestra in residence“ und präsentierte dabei mit Adám Fischer auch einen seiner Lieblingsdirigenten als launigen „Maître de Plaisir“. Gute Laune im vollen Haus, die auch durch die Vermutung nicht getrübt wurde, dass diese Charmeoffensive auch im Hinblick auf den momentan noch nicht über 2014 hinaus verlängerten Vertrag der Festspiele mit dem Orchester zu tun haben könnte.

Seit dem ersten Jahr 1946, also bald 60 Jahre, sind die Wiener Symphoniker in Bregenz das Festspielorchester, mittlerweile bereits in der dritten Generation. Eine beständige „Ehe“, die auch so manche innerbetrieblichen Stürme überdauerte, weil sie stets von gegenseitigem Respekt getragen war. Die freundschaftliche Achse Vorarlberg–Wien spielte über die künstlerisch erfolgreiche Zusammenarbeit auch längst ins Zwischenmenschliche: Nicht wenige Symphoniker haben hier feste Freunde, manche sogar die Partnerin fürs Leben gefunden. All dies geht einem an diesem Vormittag durch den Kopf, auch die Erinnerung an ähnlich konzipierte Konzerte noch in der alten Sporthalle am See mit Dirigentengrößen wie Karl Böhm, Clemens Krauss oder Wolfgang Sawallisch.

G’schmackige Mischung

Die Dankbarkeit des Publikums für eine solch g’schmackige Mischung aus Neujahrs- und Wunschkonzert ist heute wie damals ungebrochen, man schwelgt in diesen Melodien, summt sie mit und ist begeistert. Die wienerische Tradition haben sich die Symphoniker durch Generationen bewahrt, spielen „ihre“ Musik wie einst mit Herzblut, duftig und elegant und auch mit jenen Rubati und kleinen Schlampereien, die diese Musik erst lebendig und zum konzertanten Ereignis werden lassen: vom Strauß-Schani die zündende „Waldmeister“-Ouvertüre, der „Kaiserwalzer“ in seiner ganzen Pracht, die übermütige Schnellpolka „Auf der Jagd“, von Bruder Josef die behäbige Polka mazur „Waldröslein“, alles Preziosen dieses Genres. Das übrige Programm aus Schmankerln vom „Sommernachtstraum“ und „Freischütz“ bis zur „Morgenstimmung“ spielen die Symphoniker sowieso „aus dem Effeff“. Für dessen Rechtfertigung wäre auch gar kein bemühtes Motto wie der „Wald“ als geistige Klammer notwendig gewesen – man genießt und ist begeistert.

Adám Fischer, der imponierend alles auswendig dirigiert, ist den Musikern hier wie dort ein idealer Partner, der Akzente setzt, im Übrigen aber dem Erzmusikantentum der Symphoniker nichts entgegenhält. Und als der „Donauwalzer“ und mit „Eljen a magyar“ die Visitenkarte des Dirigenten als Zugaben verklungen sind, da hält es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen, es stattet seinerseits mit Standing Ovations dem Orchester den Dank ab für seine langjährige Treue.

Nächstes Konzert der Bregenzer Festspiele: heute, 12. August, 19.30 Uhr, Seestudio im Festspielhaus, Symphonieorchester Vorarlberg unter Gérard Korsten