Science Fiction in einer Show mit Bodenhaftung

Kultur / 11.08.2013 • 21:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Villa Design Group im Kunsthaus Bregenz. Foto: Rudolf Sagmeister
Die Villa Design Group im Kunsthaus Bregenz. Foto: Rudolf Sagmeister

Die Villa Design Group überprüfte im Kunsthaus den Grad der Anpassung.

Bregenz. (VN-vf) Sie sind austauschbar, ähneln einander und sind doch so sehr darauf bedacht, Individualisten um jeden Preis zu sein, dass sie gar nicht bemerken, wie sehr sie sich doch alle in derselben Uniform wiederfinden. Nur ein Gedanke von vielen, der gedacht wird, während die Villa Design Group sich das Kunsthaus Bregenz zur Spielwiese für ihre Performance „Spring 2007“, „Fall 2007“ machte.

Worum geht es? Um Vorstellungen von Zukunft, die sich selbst einholen, dabei erfüllen und damit erneut Bilder einer Zukunft entwerfen und prägen. Als Anschauungsbeispiel dienen den Akteuren der Villa Design Group die Mode, die Raumfahrt und die Science Fiction. Neues und immer wieder Neues will dabei entworfen werden, das sich an der Science Fiction orientiert und diese gleichzeitig beeinflusst. So wird plötzlich sichtbar, wie sehr doch die Laufstegkreationen mit Elementen spielen, die sich so auch in den Anzügen der Raumfahrer wiederfinden und die wiederum scheinen Anleihen bei den Kostümen, die den Charakter der Kult-Serie „Raumschiff Enterprise“ ausmachen, zu nehmen. Oder auch umgekehrt, denn die Querverbindungen werden fließend.

Die Art und Weise schließlich, mit der die Villa Design Group zum Spiel mit Bild, Abbild und Vexierbild ansetzt, trägt eine eigene Handschrift. Dominiert vom Gerippe jenes Wals, den der mexikanische Künstler Gabriel Orozco derzeit durch das Erdgeschoss des Kunsthauses „fliegen“ lässt, formiert sich um das allen Zeiten enthobene Tier ein Laufsteg.

Spiel mit Identitäten

Im Hintergrund flimmern Videosequenzen über Bildschirme, zeigen Models, Res­taurantszenen, TV-Weltall-Serien. Über das Geschehen erhoben – auf Stehleitern – und doch Teil davon positionieren sich die drei Kommentatoren, eine Frau, zwei Männer. Abwechselnd breiten sie Wortwolken aus, aus denen sich einzelne Passagen lösen. Zeitgleich besiedeln mehr und immer mehr junge Männermodels den Kunstlaufsteg. Gewandet sind sie in Overalls, die der Science Fiction entnommen sein könnten. Ihr Erscheinungsbild, das geprägt ist von Kleidung, unterscheidet sich nur in Details. Gemeinsam bilden sie eine graue, sich bewegende Masse. Erst im Stillstand, im kurzen Innehalten werden sie als Individuen in der Masse sichtbar. Ein spannendes Spiel mit Identitäten und Zukunftsbildern, die aneinander prüfen, wie sehr die Gegenwart die Zukunft einlösen konnte.

Das Fazit daraus zu ziehen bleibt jedem selbst überlassen, stecken wir doch sowieso mittendrin in der Zukunft, die ständig in Gegenwart übergeht. Dort, in der Gegenwart nämlich, gab es dann auch Applaus für die Villa Design Group, die ihr Publikum nachdenklich in den Abend entließ.

Die Ausstellung mit Arbeiten von Gabriel Orozco ist noch bis 6. Oktober zu sehen, bis 1. September täglich
10 bis 20 Uhr, danach, Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr