Gute Bücher, aber die großen Meister fehlen

Kultur / 14.08.2013 • 20:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ursula Krechel gewann den Preis 2012 mit „Landgericht“. Foto: DPA
Ursula Krechel gewann den Preis 2012 mit „Landgericht“. Foto: DPA

Die Longlist für den Deutschen Buchpreis bietet 20 ganz verschiedene Romane.

Frankfurt/Main. Bei Uwe Timm geht es um die Macht des Begehrens, Thomas Glavinic taucht in die Welt des Extrembergsteigens ein, und Terézia Moras Hauptfigur muss mit dem Freitod ihrer Liebe fertig werden. Die drei Romane gehören zu den 20, die um den Deutschen Buchpreis 2013 konkurrieren. „Die Bücher sind extrem unterschiedlich“, sagte Jury-Sprecher Helmut Böttiger nach der Veröffentlichung der Longlist am gestrigen Mittwoch. Einen klaren Favoriten sieht er noch nicht: „Es weiß eigentlich keiner von uns, welche sechs Titel es auf die Shortlist schaffen werden.“

„Individuelle Schreibweisen“ und „intime Konstellationen“ hat Böttiger als eine gemeinsame Linie der 20 Titel ausgemacht. Modewellen wie der große Familienroman über Generationen und die Popliteratur, die sich ironisch-affirmativ mit dem Kapitalismus befasst habe, seien vorbei.

Trends zeichnen sich aber ab

Dennoch spiegelten sich auf der Longlist zwei Trends der Jahresproduktion: „Eine Tendenz zu Science Fiction, dass die Gegenwart gespiegelt wird in der Zukunft.“ In diesen Büchern tauche oft ein Unwohlsein in der Gegenwart auf. Und: „Eine bestimmte Krisenstimmung scheint sich deutlich zu machen an den innersten Beziehungsgeflechten.“

Literaturkritiker Denis Scheck findet dennoch: „Es fehlen die ganz großen Meister.“ Insbesondere Martin Walser, auch Hans Pleschins­ki, Peter Stamm, Georg Klein und Matthias Politycki. „Mir wäre das, was da jetzt auf dem Tisch liegt, zu wenig.“

Der Buchpreis bringt auf jeden Fall einen Werbeeffekt, der auch aus Vorarlberger Sicht feststellbar ist. Arno Geiger war der erste Träger dieses Preises, Michael Köhl­meier kam einmal auf die Longlist, ein anderes Mal auf Shortlist (also unter die sechs Favoriten) und Doris Knecht auf die Longlist.

Nominiert für den Deutschen Buchpreis

» Mirko Bonné: Nie mehr Nacht (Schöffling & Co)

» Ralph Dutli: Soutines letzte Fahrt (Wallstein)

» Thomas Glavinic: Das größere Wunder (Hanser)

» Norbert Gstrein: Eine Ahnung vom Anfang (Hanser)

» Reinhard Jirgl: Nichts von euch auf Erden (Hanser)

» Daniel Kehlmann: F (Rowohlt)

» Judith Kuckart: Wünsche (DuMont)

» Olaf Kühl: Der wahre Sohn (Rowohlt)

» Dagmar Leupold: Unter der Hand (Jung und Jung)

» Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren (C. H. Beck)

» Clemens Meyer: Im Stein (S. Fischer)

» Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so,
wie es nie war (Kiepenheuer & Witsch)

» Terézia Mora: Das Ungeheuer (Luchterhand)

» Marion Poschmann: Die Sonnenposition (Suhrkamp)

» Thomas Stangl: Regeln des Tanzes (Droschl)

» Jens Steiner: Carambole (Dörlemann)

» Uwe Timm: Vogelweide (Kiepenheuer & Witsch)

» Nellja Veremej: Berlin liegt im Osten (Jung und Jung)

» Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums (Diogenes)

» Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como (Blumenbar)