„Lulu ist eine Projektionsfläche“

Kultur / 14.08.2013 • 20:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„American Lulu“ der österreichischen Komponistin Olga Neuwirth wird in Bregenz von John Fulljames inszeniert. Foto: VN/Steurer
„American Lulu“ der österreichischen Komponistin Olga Neuwirth wird in Bregenz von John Fulljames inszeniert. Foto: VN/Steurer

Olga Neuwirth gibt einer berühmten Figur der Literatur einen neuen Rahmen.

Bregenz. (VN-cd) „Berg hat Wedekinds Stück in einen neuen sozialen Kontext gesetzt, nämlich ins Berlin der 1930er-Jahre. Ich wiederum Alban Berg in den Kontext des weißen, rassistischen Südens der USA der 1950er-Jahre und ins New York der 1970er-Jahre“, erklärt die bekannte österreichische Komponistin Olga Neuwirth gegenüber den VN ihre Verfahrensweise. Sie adaptierte die unvollständige Oper nach dem Konzept von Alban Berg und fügte einen völlig neuen dritten Akt hinzu

Neuwirths Werk „American Lulu“ wurde im Herbst letzten Jahres an der Komischen Oper in Berlin uraufgeführt, als Koproduktion mit The Opera Group, der Scottish Opera und The Young Vic bieten die Bregenzer die österreichische Erstaufführung in einer Neuinszenierung durch John Fulljames unter der musikalischen Leitung von Gerry Cornelius an. Wie der Regisseur das Werk nun sieht, wird auch für Neuwirth eine Überraschung, sie war weder in die Produktion involviert, noch habe sie bislang etwas gesehen oder gehört, meinte sie gestern.

Lulu jedenfalls (nach der 1937 unvollendet uraufgeführten Oper des erwähnten Berg und der 1904 uraufgeführten „Büchse der Pandora“ von Frank Wedekind) charakterisiert die Komponistin als „eine Projektionsfläche seit ihren Erfindern“.

Viele Fragen bis heute offen

Inspiriert habe sie die Tatsache, dass es sich um ein unvollendetes Werk handelt, „das bis heute viele Fragen offen gelassen hat“. Da es sich bislang um männliche Sichtweisen einer Frauenfigur handelt, die Männer angeblich in den Selbstmord treibt, und die Festspiele der Produktion den Untertitel „Wider den männlichen Blick“ gaben, drängte sich die Frage nach der Möglichkeit von Veränderungen im männlich dominierten Kulturbetrieb auf. Olga Neuwirth hat eine pragmatische Antwort parat: „Wenn sich das so leicht sagen und klären ließe, wäre dies sicherlich schon geschehen.“

Olga Neuwirth Foto: APA
Olga Neuwirth Foto: APA

Zur Person

Olga Neuwirth

Geboren: 1968 in Graz

Ausbildung: Kompositionsstudium in Wien, San Francisco, Paris etc.

Preise: Großer Österreichischer Staatspreis, Ernst-Krenek-Preis u. a.

Werke u. a. „Bählamms Fest“, „Lost Highway“, „ce qui arrive“, Teilnahme an der documenta 12 in Kassel mit der Klanginstallation „ . . . miramondo multiplo . . .“ Filmmusik zu „Das Vaterspiel“ von Michael Glawogger, „American Lulu“ u. a.

„American Lulu“ wird am 16. und 17. August, jeweils 20 Uhr, auf der Werkstattbühne beim Bregenzer Festspielhaus aufgeführt