Fragt sich, wie viel Seeblick man braucht

Kultur / 19.08.2013 • 20:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seit 1995 besteht ein Weg zwischen Museum und Theater, er ist nach dem Neubau des Museums geblieben, weckt aber bei einigen den Wunsch nach mehr. Fotos: VN/Paulitsch, KUess
Seit 1995 besteht ein Weg zwischen Museum und Theater, er ist nach dem Neubau des Museums geblieben, weckt aber bei einigen den Wunsch nach mehr. Fotos: VN/Paulitsch, KUess

Nach Eröffnung des Vorarlberg Museum ist der Umbau des Kornmarktheaters Thema.

Bregenz. Dass es erst seit dem Jahr 1995 wieder möglich ist, zwischen dem Landesmuseum (das nun zum Vorarlberg Museum ausgebaut wurde) und dem Kornmarkttheater an den See zu gelangen, haben die meisten Bregenzer vermutlich schon vergessen. Mitte der 1950er-Jahre, als Willibald Braun das Kornhaus bühnentauglich machte, wurde die Lücke zwischen den Häusern nämlich dichtgemacht.

Architekt Helmut Kuess, der in den 1990er-Jahren mit seinen Plänen für mehr Komfort der Besucher und professionelles Agieren der Künstler sorgte, verschaffte dem Haus wieder Luft und den Bregenzern Durchblick. Zumindest durch eine schmale Gasse konnte man gehen. Und die ist auch geblieben, nachdem die Architekten Cukrowicz und Nachbaur der Landeshauptstadt ein weiteres architektonisches Highlight verschafft haben. Nachdem dieses Team damit punkten kann, dass die Sichtachse zum See auf der Seite der Rathausstraße wieder absolut stimmt, werden wenige Wochen nach der Eröffnung des Museums nun wieder Diskussionen darüber laut, ob auf der anderen Seite des Hauses – also neben der Wand zum Theater – nicht auch ein größeres Nichts sein sollte.

Konkret würde das heißen, dass der Probebühnen- und Verwaltungstrakt-Zubau, der zwischen 1993 und 1995 geschaffen wurde, wieder weg müsste.

Zahlen müsste das Land

Bürgermeister Markus Linhart sieht die Sache pragmatisch. Das Thema Probebühne sei ein altes, meint er. In der neuen Studie zur Verbesserung der Situation im Theater gehe es aber nicht in erster Linie um Durch-, Aus- oder Seeblicke, sondern um technische Adaptierungen und Umbauten im Erdgeschoss der alten Bausubstanz. Nachdem die Stadt Bregenz zwar Besitzer des Hauses ist, das Land Vorarlberg aber Hauptpächter des Gebäudes, das Sitz des Landestheaters ist, müssten Umbaukosten auf jeden Fall vom Land getragen werden. „Wir sind dankbar über die baulichen Maßnahmen, die das Land in der Stadt setzt“, meint der Bürgermeister im Hinblick auf das Museum und das Kunsthaus. Etwaigen Druck möchte man aber keineswegs ausüben.

Helmut Kuess, dem einstigen Umbau-Architekten am Kornmarkt, ist die Durchblick-Thematik nicht neu. Er erinnert dabei aber auch an den Kampf um die Finanzierung des damals dringend notwendigen Kornmarkt­umbaus. Zwanzig Millionen Schilling hätte er nur kosten dürfen, aber mit vielen guten Argumenten, die unter anderem der einstige Direktor Bruno Felix und der Schauspieler Kurt Sternik einbrachten, habe man schließlich ein Umbaubudget von 75 Millionen Schilling erringen können. Damit wurden unter anderem die Technik saniert, die Probebühne und Verwaltungsräume geschaffen, der Zuschauerraum und die Foyers erneuert und erstmals wieder ein schmaler Blick auf den See eröffnet. 1995 hatte man am Kornmarkt jedenfalls viel zu feiern, denn es gab endlich einen funktionstüchtigen und optisch viel gerühmten Theaterbau.

Eines der Wettbewerbsprojekte für das neue Vorarlberg Museum hatte im Übrigen eine Schneise vorgesehen, Das Büro Eberle/Baumschlager schlug eine unterirdische Verbindung zum Theater vor und griff planerisch radikal in den Bühnenbau ein. Es kam nicht unter die Favoriten.

Nebenbei gibt Kuess übrigens zu bedenken, dass eine Reduzierung der Theaterkubatur auch eine Veränderung des gerade erst fertiggestellten Kornmarktplatzes bedeuten würde.

Die Wirkung einer solchen Maßnahme auf den neuen Kornmarktplatz wäre kritisch zu hinterfragen.

Architekt Helmut Kuess
Alles dicht: Landesmuseum, Probebühne und Theater vor 1995.
Alles dicht: Landesmuseum, Probebühne und Theater vor 1995.
Auch von der Seeseite aus gab es bis 1995 kein Durchkommen.
Auch von der Seeseite aus gab es bis 1995 kein Durchkommen.