Vom Glück, am richtigen Ort zu sein

Kultur / 19.08.2013 • 20:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie immer gut: Campino mit den Toten Hosen.
Wie immer gut: Campino mit den Toten Hosen.

130.000 Besucher,
100 Gigs und lange Fuß­märsche – eine Frequency-Bilanz.

St. Pölten. (VN-mw) Der Frequency-Besucher hielt sich durch Fußmärsche fit. Kaum bei einer Großbühne angelangt, befiel ihn das Gefühl, vielleicht doch das genialere Konzert auf der anderen Großbühne zu versäumen. So begann er am Donnerstag an der „Space Stage“ bei den Brit-Poppern Franz Ferdinand. Just als sie in Fahrt kamen, sprang er schon weiter zu Kraftklub, der deutschen Krach-Hip-Hop-Combo aus Chemnitz, und hatte fast Sorge, bei einem Danke-Gejaule den Großteil des Konzerts verpasst zu haben. War natürlich nicht so. Die Jungs bedankten sich einfach das halbe Konzert hindurch, weil sie in Österreich noch nie auf einer so großen Bühne gespielt hatten. Sie vergaßen aber nicht, wie es noch vor zwei Jahren war, als sie laut Sänger Felix Brummer in Lustenau gerade mal 14 Zuseher hatten. Diese Sorgen kennen die anschließenden irischen Flogging Molly schon länger nicht mehr. Bei ihrer stammtischtauglichen Helden- und Trinkermusik erinnern sie mehr an die Erfinder dieses Sounds, an die frühpensionierten Pogues, als es ihnen lieb sein kann.

Bad Religion, alt aber gut

Am zweiten Tag konnte man mit Ausnahme des Hip-Hop-Artisten Left Boy – hinter dem Namen versteckt sich der nach New York ausgewanderte Sohn von André Heller, Ferdinand Sarnitz – ruhig an der „Space Stage“ verweilen. Casper machte dort weiter, wo Kraftklub aufgehört hatten, massentauglicher Hammer-Hip-Hop, natürlich mit seinem neuen Hit „Im Ascheregen“. Die starke Geräuschkulisse wurde jedoch nicht durch ein technisches Gebrechen verursacht, sondern durch seine super-rauchige Stimme, mit der er sogar Alt-Veteranen wie Joe Cocker oder Tom Waits Gesangsunterricht geben könnte. Apropos Veteranen: Die US-Punk-Rocker Bad Religion konnten sich schon seit Jahren nicht mehr vor so viel Publikum abfeiern. Am dritten Tag sorgten Billy Talent für den ersten großen Höhepunkt. Die Kanadier wussten mit ihrem Progressive Rock zu begeistern und schmetterten in gut sechzig Minuten so ziemlich alles dem Publikum entgegen, was sie zu bieten hatten.

Würdiges Ende mit Nick Cave

Während Talent auf der „Space Stage“ ihre Hits „Red Flag“ und „Fallen Leaves“ intonierten, tat sich Tricky auf der „Green Stage“ etwas schwerer. Seine schleppenden Trip-Hop-Beats hätten wohl eher in das Nachtprogramm gepasst, aber rein programmatisch war die Bandabfolge richtig gewählt, denn nach Tricky kam ja der australische Düstermann Nick Cave mit seinen Bad Seeds.

Zuvor jedoch noch zu den Toten Hosen: Die Frequency-Dauergäste aus Düsseldorf vorzustellen erübrigt sich. Mit Hits wie „Bonnie und Clyde“ oder „Hier kommt Alex“ wussten sich die Fans auf der richtigen Seite.

Bei der Nummer „Schrei nach Liebe“ war es jedoch an der Zeit sich von den Hosen zu verabschieden und sich dem dunklen Fürsten der 1980er-Jahre, Nick Cave, zu widmen. Der verwandelte die „Green Stage“ zu einer Kathedrale, natürlich nicht ohne seinen „Mercy Seat“ zu hämmern oder „From here to Eternity“ ins Mikro zu schimpfen. Die Bad Seeds waren der Rückhalt für den Barden, und während von der „Space Stage“ noch die Zugaben der Hosen herüber hallten, war mit „Push the Sky away“ für den Australier nach rund 70 Minuten Schluss.

Skin von der britischen Band Skunk Anansie. FotoS: Apa
Skin von der britischen Band Skunk Anansie. FotoS: Apa