Gemischte Gefühle in Salzburg

Kultur / 22.08.2013 • 18:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Buhs und Bravos gab es bei Mozarts „Cosi fan tutte”, der letzten szenischen Opern-Neuproduktion des Festspielsommers in Salzburg. Foto: APA
Buhs und Bravos gab es bei Mozarts „Cosi fan tutte”, der letzten szenischen Opern-Neuproduktion des Festspielsommers in Salzburg. Foto: APA

Sven-Eric Bechtolfs brave Inszenierung von Mozarts „Cosi fan tutte“ spaltet das Publikum.

salzburg. Wirklich begeistert waren bei Weitem nicht alle. Mozarts „Cosi fan tutte“, die letzte szenische Opern-Neuproduktion dieses Festspielsommers in Salzburg, ist mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Bei der Premiere im Haus für Mozart am Mittwochabend hielten sich Buhs und Bravos die Waage, und dabei war das Publikum noch gnädig. Tatsächlich war vor allem die Darbietung der Wiener Philharmoniker unter der Leitung von „Ersatzmann“ Christoph Eschenbach unakzeptabel und nicht festspielwürdig. Sven-Eric Bechtolf inszenierte mit Witz und Klugheit im Detail, riskierte ästhetisch aber nichts und lieferte kaum einen eigenständigen Interpretationsansatz.

Schöne Regie-Idee

Doch, einen: Am Ende, Sekunden vor dem Schlussvorhang, trinkt „Don Alfonso“ Gift und bricht zusammen. Das steht so weder im Libretto, noch hat Mozart dafür Musik geschrieben. Aber es macht die Skepsis des Regisseurs gegenüber der Aufklärung und der reinen Vernunft deutlich, mit der „Don Alfonso“ glaubt, Triebe und Natur kontrollieren und berechnen zu können – eine schöne Regie-Idee. Die sind sonst aber Mangelware.

Die Sänger interagierten in einigen Szenen amüsant und der „Burla“ entsprechend unterhaltsam. Diese gestische Situationskomik ist das Wesen der Regie von Sven-Eric Bechtolf. Mit den aus Figuren und Handlung abgeleiteten Gags rückt er einerseits nahe an Da Ponte, andererseits offenbart er damit auch die lächerlichen Aspekte dieser Verwechslungs-Buffa für Ensemble. Außerdem nützt sich die Grimassen-Schneiderei ab und erweist sich als untauglich, wenn es ums Eingemachte geht: Wo der Boden unter den Füßen wankt, die Gefühle durcheinandergeraten und das Betrogenwerden wehtut, ist mit Spaßettln keine Oper zu machen.

Schwachpunkt Musik

Unverzeihlicher Schwachpunkt aber ist die Musik. Eschenbach dirigierte nicht nur unengagiert, sondern ließ das Basis-Handwerk an diesem Premierenabend vermissen, nämlich eine Feinabstimmung in Tempo und Rhythmus zwischen Bühne und Graben. Dieser Mozartklang ist des Orchesters nicht würdig, von der Brillanz einzelner Instrumentalisten abgesehen sind die Wiener Philharmoniker in dieser Form für Salzburg überflüssig.Auch vom viel beschworenen Mozart-Sänger-Ensemble war wenig zu vernehmen. Beim Publikum völlig zu Recht am besten weggekommen ist Luca Pisaroni als „Guglielmo“, dessen ausgewogener Bariton keine Schwachstellen offenbarte. Pisaroni überzeugte klanglich und schauspielerisch. „Dorabella“ Marie-Claude Chappuis, „Don Alfonso“ Gerald Finley und Martina Jankova als „Despina“ agierten ebenfalls auf hohem Niveau, besonders die Schweizer Sopranistin berührte mit leichtgängigem, in allen Lagen lockerem Timbre in angenehm patinierter, metallischer Farbe und schnörkelloser, vibratoarmer Stimmführung. Malin Hartelius als „Fiordiligi“ hingegen strengte sich an und vibrierte wie ein Dauertriller. Und „Ferrando“ Martin Mitterrutzners kleiner Tenor funktionierte nur in den leisen, lyrischen Passagen wirklich gut. Beide mussten vereinzelte, aber durchaus nicht unverdiente Buhrufe einstecken – von klanglicher Ausgewogenheit der sechs Solostimmen des Ensembles also keine Rede. Für die Neuproduktionen von „Die Hochzeit des Figaro“ und „Don Giovanni“ in den kommenden Jahren scheint sich das Publikum Besetzungsänderungen in allen Bereichen dieses Produktionsteams vorstellen zu können.