Ein umtriebiger Vollblutmusiker

Kultur / 25.08.2013 • 19:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wilhelm Stärk um 1980.Foto: Orig. Gertrud Stärk
Wilhelm Stärk um 1980.
Foto: Orig. Gertrud Stärk

Vorarlberger Wilhelm Stärk gab der Musikszene nach dem Krieg neuen Schwung.

Dornbirn. Guntram Simma ist mit Ende dieses Schuljahres als Musikschuldirektor in Pension gegangen. Der Zufall will es, dass sein Vorgänger Wilhelm Stärk heuer vor genau 100 Jahren zur Welt gekommen und vor 25 Jahren verstorben ist.

Das Amt eines Dornbirner Musikschuldirektors, das er von 1963 bis 1979 ausübte, war für Stärk eher eine berufliche Absicherung. Der gebürtige Wiener (geb. 1913) war immer dann in seinem Element, wenn er als ungemein begabter Vollblutmusiker seine Vielseitigkeit, sein Gespür für musikalische Wirkung beweisen konnte: als Komponist und Kapellmeister der alten Schule. Als es ihn kurz nach Kriegsende hierher verschlug, hat er dem zerstörten Kulturleben im Land neuen Schwung gegeben. Er wurde Opern- und Operettendirigent beim Vorarlberger Landestheater, bis die finanzielle Pleite aus dem Unternehmen ein Sprechtheater machte.

Das Rüstzeug dazu hatte er sich bei Studien in Klavier, Violine, Komposition und Dirigieren an der Wiener Musikakademie geholt sowie bei früheren Engagements als Theaterkapellmeister an deutschen Bühnen. In ­unserer Region gab er von 1950 bis 1980 mit seiner Erfahrung vor allem dem Amateurmusizieren einen professionellen Anstrich. Er dirigierte den Liederkranz Dornbirn und das Orchester der ­Gesellschaft der Musikfreunde Bregenz, das unter seiner Leitung eine Hochblüte erlebte, war durch Jahrzehnte auch Leiter der Operettenbühne, des Männerchores und der Harmoniemusik Vaduz. 1956 gründete er mit Grazer Musikern ein Kurorchester für Sommerkonzerte im Bregenzer Musikpavillon, 1964 reaktivierte er die jährlichen Aufführungen der Dornbirner Opern- und Operettenbühne.

„Orchester Wilhelm Stärk“

Für all diese Tätigkeiten steuerte der umtriebige Wilhelm Stärk jeweils auch noch maßgeschneiderte eigene Kompositionen bei. Für Vaduz waren das Chöre, Blasmusik und drei Operetten, für das Kurorchester und ein eigenes „Orchester Wilhelm Stärk“ für Rundfunkproduktionen bei Radio Vorarlberg zahlreiche Werke der damals so beliebten „gehobenen Unterhaltungsmusik“.

Neue Töne waren ihm verhasst

Den größten Erfolg brachte ihm die 1951 in St. Gallen uraufgeführte Operette „Barbara fällt vom Himmel“ ein, aus deren Tantiemen er sich sein schmuckes Eigenheim in der Gutenbergstraße kaufen konnte. Auch in der Oper gab es mehrere Versuche, der letzte 1979, als er mit „Bianca Capello“ einen Stoff aus der italienischen Renaissance in spätromantische Musik kleidete (Neue Töne waren ihm verhasst) und dazu so wie sein Vorbild Richard Wagner auch selber das Libretto verfasste. Ein Schlaganfall zwang Stärk damals, die Uraufführung von der Galerie im Schloßbräusaal aus zu verfolgen.

Selbstironischer Unterton

Schließlich ist unter seinen 100 Werken auch ein literarisches Opus zu erwähnen: seine 1986 im Fischer-Verlag erschienene autobiografische Skizze mit dem Titel „Ich war nicht prominent“. Mit selbstironischem Unterton schildert er darin seine Situation als „Zuagroaster“, der sich vergeblich bemühte, den sturen Vorarlbergern ein bisschen Musikkultur beizubringen. Die Ehrengabe des Landes, die Ernennung zum Professor, das Ritterkreuz des Fürsten von Liechtenstein und Kompositionspreise sind Würdigungen seines Schaffens, das heute praktisch vergessen ist.