Fotografie als Tatortbeschreibung

Kultur / 27.08.2013 • 19:16 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
In der Ausstellung „Abseits“ sind 40 Farbfotografien von Claudio Hils zu sehen. Foto: C. Hills
In der Ausstellung „Abseits“ sind 40 Farbfotografien von Claudio Hils zu sehen. Foto: C. Hills

Das Zeppelin Museum zeigt Fotografien des Künstlers Claudio Hils zum Thema Heimat und Globalisierung.

Friedrichshafen. Nach der Ausstellung „Neue Heimat – Zwischen den Welten“ (2009) nimmt sich das Zeppelin Museum mit der Ausstellung „Abseits“ des Fotografen Claudio Hils zum zweiten Mal des Themas Heimat an. Hils hat in seiner fotografischen Langzeituntersuchung eine genaue Analyse der Dörfer zwischen Donau, Allgäu und dem Bodensee vorgelegt.

Leerstehende Gebäude

Er zeigt die Dörfer ungeschönt und ohne den „touristisch verklärten barocken Schönwetterhimmel“ so wie sie sind – als Orte im Wandel, deren eigentliche landwirtschaftliche Funktion längst ausgedient hat, und die heute vielmehr als Schlafstätten von Berufspendlern oder als Kulisse für Wochenend- und Freizeitaktivitäten dienen. Leerstehende Gebäude, Zerfall und Umnutzung und die teilweise hoffnungslosen Versuche, diesen Prozess aufzuhalten oder zu kaschieren, sind die subtilen Informationen, die seine Fotografien dem Betrachter liefern.

Zusammen mit dem Zeppelin Museum Friedrichshafen wählte Claudio Hils ca. 40 Farbfotografien speziell für diesen Ausstellungsort aus. Die Fotografien lassen etwas ahnen von der Unaufhaltsamkeit, mit der die Wucht der Globalisierung auf den ländlichen Raum zukommt und das Vertraute so grundlegend umkrempelt, dass wir uns fühlen wie ausgesetzt. Das Verschwinden der kleinbäuerlichen Strukturen, die Verwandlung landwirtschaftlicher Arbeitsorte zur gesichtslosen Architektur bloßer Wohnsiedlungen hinterlassen eine unbelebte Zwischenwelt, in der man nicht mehr heimisch bleiben und auch nicht werden kann. Die Fotografie wird zur Tatortbeschreibung: Überall sind die Spuren der Zerstörung einer ehemals heilen Lebenswelt zu sehen, notdürftig haltbar gemacht für eine ungewiss scheinende Zukunft.

Die Ausstellung ist im Zeppelin Museum in Friedrichshafen, Seestraße 22, noch bis 6. Oktober, täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet