Wo der Glamour zu Hause ist

Kultur / 28.08.2013 • 23:04 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die neun Mitglieder der Jury (v. l.): Jiang Wen, Martina Gedeck, Virginie Ledoyen, Carrie Fisher, Andrea Arnold, Pablo Larrain, Bernardo Bertolucci, Ryuichi Sakamoto und Renato Berta. Foto: APA
Die neun Mitglieder der Jury (v. l.): Jiang Wen, Martina Gedeck, Virginie Ledoyen, Carrie Fisher, Andrea Arnold, Pablo Larrain, Bernardo Bertolucci, Ryuichi Sakamoto und Renato Berta. Foto: APA

Gestern eröffneten die 70. Filmfestspiele in Venedig. 20 Filme sind im Wettbewerb um den Goldenen Löwen.

Venedig. Sich treiben lassen, neue Welten entdecken, an seine Grenzen kommen – all das gehört zu den Zielen von Filmfestivals in Venedig. Schließlich sollen die Filme Neues erforschen und möglichst den Horizont erweitern. Vor diesem Hintergrund war das Werk „Gravity“ dann auch bestens als Eröffnungsfilm der diesjährigen Internationalen Festspiele Venedig geeignet.

Der Film des Mexikaners Alfonso Cuarón spielt im All, durch das die Hollywood-Stars George Clooney und Sandra Bullock als Astronauten zu Forschungszwecken schweben und ums Überleben kämpfen müssen. Glamouröser Nebeneffekt: Cuarón brachte für die feierliche Premiere seine beiden Hauptdarsteller George Clooney und Sandra Bullock mit. Diese ließen sich am roten Teppich ausgiebig Zeit für Autogramme und Fotos mit den Fans. Chancen auf einen Preis in Venedig hat „Gravity“ allerdings nicht, denn der Film läuft außer Konkurrenz.

„Film muss überraschen“

Im Wettbewerb konkurrieren bis zum Samstag kommender Woche dafür 20 weitere Werke um den Goldenen Löwen. Mit dabei sind Regisseure wie Stephen Frears, James Franco und Terry Gilliam. Aber auch jüngere Filmemacher schicken ihre Werke ins Rennen: Der amerikanische Jungstar James Franco fokussiert in einem von sieben Beiträgen mit US-Beteiligung auf einen gesellschaftlichen Außenseiter, während Kanadas „Wunderkind“ Xavier Dolan – gerade einmal 24 Jahre alt – ein Familiendrama vorlegt. Präsident der neunköpfigen Jury ist der italienische Regisseur Bernardo Bertolucci („Der letzte Tango in Paris“, „Der letzte Kaiser“). „Wir werden einen Film gewinnen lassen, der uns alle überrascht“, verkündete Bertolucci kurz vor der Eröffnung. „Ich hoffe, es wird ein Film sein, mit dem niemand rechnet.“ Festivaldirektor Alberto Barbera versprach zudem, die diesjährige Ausgabe werde vor allem eines: unterhalten. Das sei ein wichtiges Charakteristikum seiner Auswahl. Mit „Gravity“ als Auftakt ist ihm das jedenfalls schon mal gelungen.

Film mit Christoph Waltz

Das Festival wird in diesem Jahr aber ohne größere österreichische Beteiligung über die Bühne gehen. Auch wenn einige Zeit mit Götz Spielmanns neuem Film „Oktober November“ für den Lido spekuliert worden war, stellt der zweifache Oscarpreisträger Christoph Waltz im Film „The Zero Theorem“ des US-Amerikaners Terry Gilliam den einzigen heimischen Beitrag zu einem Wettbewerbsfilm dar. Einen Clou haben sich die Festspiele allerdings anlässlich des Jubiläums ausgedacht: 70 Kurzfilme von 70 Regisseuren aus der ganzen Welt werden während der diesjährigen Ausgabe gezeigt. Außerdem wurden zahlreiche Beiträge historischer Wochenschauen restauriert, diese sollen laut Barbera die Vergangenheit und die Zukunft des Kinos an einem Ort vereinen.

2012. „Pieta“ von Kim Ki-duk (Südkorea)Das Leben eines skrupellosen Geldeintreibers wird auf den Kopf gestellt, als er auf seine vermeintliche Mutter trifft. Eine Geschichte um Moral und Liebe und die Sehnsucht nach Intimität.
2012. „Pieta“ von Kim Ki-duk
(Südkorea)
Das Leben eines skrupellosen Geldeintreibers wird auf den Kopf gestellt, als er auf seine vermeintliche Mutter trifft. Eine Geschichte um Moral und Liebe und die Sehnsucht nach Intimität.
Sandra Bullock und George Clooney bei der Eröffnung. Foto: EPA
Sandra Bullock und George Clooney bei der Eröffnung. Foto: EPA
2011. „Faust“ von Aleksander Sokurow (Russland)Der auf Deutsch gedrehte Film „Faust“ basiert auf dem gleichnamigen Drama von Johann Wolfgang von Goethe. Dieses Werk ist allerdings eine sehr freie Adaption.
2011. „Faust“ von Aleksander
Sokurow (Russland)
Der auf Deutsch gedrehte Film „Faust“ basiert auf dem gleichnamigen Drama von Johann Wolfgang von Goethe. Dieses Werk ist allerdings eine sehr freie Adaption.
2010. „Somewhere“ von Sofia Coppola (USA)Ein Film über einen erfolgsverwöhnten Hollywood-Star, der auf seine elfjährige Tochter aus einer gescheiterten Beziehung aufpassen muss. Durch sie erkennt er, wie leer sein Leben eigentlich ist.
2010. „Somewhere“ von Sofia Coppola (USA)
Ein Film über einen erfolgsverwöhnten Hollywood-Star, der auf seine elfjährige Tochter aus einer gescheiterten Beziehung aufpassen muss. Durch sie erkennt er, wie leer sein Leben eigentlich ist.
2009. „Libanon“ von Samuel Maoz (Israel)Der Regisseur verarbeitet seine Erfahrungen als Soldat im ersten Libanon-Krieg 1982. Der Film zeigt den Krieg aus der Sicht von vier unerfahrenen Soldaten, die in ihrem Panzer festsitzen.
2009. „Libanon“ von Samuel Maoz (Israel)
Der Regisseur verarbeitet seine Erfahrungen als Soldat im ersten Libanon-Krieg 1982. Der Film zeigt den Krieg aus der Sicht von vier unerfahrenen Soldaten, die in ihrem Panzer festsitzen.
2008. „The Wrestler“ von Darren Aronofsky (USA)Der Wrestler Robin Ramzinski war in den 1980er-Jahren ein gefeierter Star. Zwanzig Jahre später steigt er immer noch in den Ring. Die Erzählung beleuchtet seinen Comeback-Versuch.
2008. „The Wrestler“ von
Darren Aronofsky (USA)
Der Wrestler Robin Ramzinski war in den 1980er-Jahren ein gefeierter Star. Zwanzig Jahre später steigt er immer noch in den Ring. Die Erzählung beleuchtet seinen Comeback-Versuch.

Filme im Wettbewerb

Im Wettbewerb des Festivals
konkurrieren 20 Filme um den
Hauptpreis, den Goldenen Löwen.

» „Es-Stouh (The Rooftops)“ von Merzak Allouache (Algerien, Frankreich)

» „L’intrepido“ von Gianni Amelio (Italien)

» „Miss Violence“ von Alexandros Avranas (Griechenland)

» „Tracks“ von John Curran (Aus­tralien)

» „Via Castellana Bandiera“ von Emma Dante (Italien, Schweiz, Frankreich)

» „Tom à la ferme“ von Xavier Dolan (Kanada, Frankreich)

» „Child of God“ von James Franco (USA)

» „Philomena“ von Stephen Frears (Großbritannien)

» „La jalousie“ von Philippe Garrel (Frankreich)

» „The Zero Theorem“ von Terry Gilliam (Großbritannien, USA)

» „Ana Arabia“ von Amos Gitai (Israel, Frankreich)

» „Under the Skin“ von Jonathan Glazer (Großbritannien, USA)

» „Joe“ von David Gordon Green (USA)

» „Die Frau des Polizisten“ von Philip Gröning (Deutschland)

» „Parkland“ von Peter Landesman (USA)

» „Kaze tachinu (The Wind Rises)“ von Hayao Miyazaki (Japan)

» „The Unknown Known“ von Errol Morris (USA)

» „Night Moves“ von Kelly Reichardt (USA)

» „Sacro Gra“ von Gianfranco Rosi (Italien)

» „Jiaoyou (Stray Dogs)“ von Tsai Ming-liang (Taiwan, Frankreich)