Die Welt ist nicht gerecht

Kultur / 30.08.2013 • 17:54 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Kehlmann legt seine Spuren geschickt aus. Foto: APA
Kehlmann legt seine Spuren geschickt aus. Foto: APA

„F“ ist nicht nur der kürzeste Titel der Saison, sondern auch der wichtigste Buchstabe dieses Bücherherbstes.

Roman. „F“, ein Buch über eine Familie namens Friedland, über drei Brüder, die Finanzberater, Kunsthistoriker und Priester sind, ist nicht fad, sondern fesselnd. Dass es „F“ auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat, ist daher kein Fehlurteil, sondern nur folgerichtig.

Arthur Friedland ist der Vater der drei Brüder. Er hat sich in ihrem Leben rar gemacht und taucht wie ein Phantom auf. Er ist erfolgreicher Schriftsteller und erinnert in seiner geheimnisvollen Erscheinung an Salinger oder Pynchon. Doch die Geschichte beginnt im Jahr 1984, als Arthur Friedland noch ein erfolgloser Autor war und mit seinen Söhnen eine Vorstellung des Hypnotiseurs Lindemann besucht: Martin, der bei seiner Mutter, die vor Langem von Arthur verlassen wurde, lebt, und die beiden 13-jährigen Zwillinge Iwan und Eric, die Arthur mit seiner aktuellen Frau hat. Martin wird später Priester werden und dennoch unablässig um seinen Glauben ringen. Eric macht in der Finanzberatung zunächst ein Vermögen, ehe er sich mit Transaktionen an den Rand des Abgrunds manövriert. Der künstlerisch begabte Iwan studiert in Oxford Kunstgeschichte und beginnt ein abenteuerliches und einträgliches Spiel, in dem „F“ wie Fälschung eine große Rolle spielt.

Kehlmann legt geschickt seine Spuren aus, baut Spiegelszenen ein, irritiert mit Einschüben und führt sorgsam ein Puzzlespiel zu Ende, dessen Bild manches an Irritation und Erschrecken bietet. Die Welt ist nicht gerecht. Nicht immer kommen Reue und Umkehr rechtzeitig, Verbrechen kann sich auch auszahlen.

Daniel Kehlmann: „F“, Verlag Rowohlt, 384 Seiten