Für Musikernachwuchs ist gesorgt

Kultur / 30.08.2013 • 21:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Belcea Quartet präsentierte ein Programm, dass sich Stück für Stück aufbaute.
Das Belcea Quartet präsentierte ein Programm, dass sich Stück für Stück aufbaute.

Das Belcea Quartet und Diana Damrau mit Programmen von Seltenheitswert.

Schwarzenberg. Donnerstag bei der Schubertiade: Innerhalb weniger Stunden zwei hochkarätige und spezielle Events im Kammermusik- und Liedbereich, mit Prominenz auf der Bühne, die höchste Erwartungen des ausverkauften Saales erfüllt. Die Verbindungslinie: Während Corina Belcea im Quartett hoch schwanger ihren ersten Violinpart meistert, musste Diana Damraus Liederabend vor Jahresfrist wegen anderer Umstände abgesagt werden. Für Musikernachwuchs ist also gesorgt.

Präsent und präzise

Dem Belcea Quartet verdankt man hier regelmäßige Sternstunden, so etwa im Vorjahr einen kompletten Beethoven-Zyklus. Diesmal präsentieren die vier sympathischen Briten ein Programm, das sich Stück für Stück aufbaut, vom Trio zum Quintett zusammen mit dem auch mit 41 stets etwas bubenhaft wirkenden österreichischen Pianisten Till Fellner. Als wär’ er einer von ihnen, integriert er sich präsent und präzise als fünfte Stimme ins Quartett. Gemeinsam machen sie Dvoraks folkloristisches Klavierquintett A-Dur mit seiner sinnlichen Dumka zu einer Apotheose des Tänzerischen, leidenschaftlich, schwebend in wunderbar elegischen Melodien, die Antoine Lederlin am Cello anstimmt und die anderen im Dialog weiterspinnen. In einer Zugabe erhält Fellner dann noch seinen Soloauftritt mit dem traumhaft zelebrierten langsamen Satz aus dem Mozart-Klavierkonzert KV 414 A-Dur. Begonnen wird mit Schuberts einzelnem Streichtrio-Satz B-Dur, der sich in seiner Lieblichkeit so wunderbar in diese Landschaft fügt, als hätte ihn der Komponist eigens für Schwarzenberg geschrieben. Mozarts vorletztes Streichquartett B-Dur ist dann weit anspruchsvoller, doch auch der gefürchtete Finalsatz kommt bei den „Belceas“ wie aus dem Effeff, atmend am Puls der Musik. Vor der Pause schon Bravorufe, am Schluss ein Orkan.

Ein besonderes Publikum

Am Abend dann ein Wiedersehen mit Diana Damrau, der aus Bayern gebürtigen So­pranistin, die man bei diesem Festival seit 2001 bewundert. Sie hat aktuell gerade noch rechtzeitig den Absprung als Konstanze in der missglückten „Entführung“-Produktion von „Servus-TV“ geschafft, liefert nun auch hier gemeinsam mit dem international gefeierten französischen Harfenisten Xavier de Maistre jenes erfolgreiche Programm ab, das es längst auf CD gibt.

Die Schubertiade scheint allerdings auch für Damrau ein besonderer Ort mit einem besonderen Publikum zu sein, denn sie findet erst nach einer gewissen Anlaufzeit zu ihrer Form. Die ersten Lieder aus Schuberts Wunschkonzert-Kästchen, vom „Ständchen“ bis zum längst totgesungenen „Ave Maria“, kommen laut daher, etwas schrill in der Höhe, mit zu viel opernhaftem Tremolo und übertriebenem Getue. „An die Musik“ bringt dann die Wende, es entsteht in jener Schlichtheit und Pianokultur, die man von einer Damrau erwarten darf. Und auch mit jenen makellosen Spitzentönen, die sie sich auch seit ihrem Fachwechsel 2007 vom Koloratur- ins lyrische Fach bewahrt hat. Bei Richard Strauss ist sie dann ganz in ihrem Element, spielt gekonnt auch ihre kleinen komödiantischen Trümpfe aus, geht verinnerlicht auf Lieder wie „Epheu“ oder „Beim Schlafengehen“ ein. Auch die spätromantische französische Literatur eines Chausson oder Duparc in ihrer flirrenden Farbigkeit liegt ihr, bei der ersten von drei Zugaben spannt sie ihr Spektrum bis zu einer Bellini-Arie.

Xavier de Maistre ist im Wortsinn ein Meister, eröffnet mit den auf der Harfe gespielten originalen Klavierbegleitungen ungewohnte, aber zunehmend faszinierende neue Klangräume. In der Begleitung nimmt er sich angenehm zurück, entlockt aber solistisch in einem Impromptu von Fauré seinem angeblich so zarten Instrument rauschende Klangkaskaden. Auch hier ist der Jubel groß.

Diana Damrau, gemeinsam mit dem französischen Harfenisten Xavier de Maistre. Fotos: schubertiade
Diana Damrau, gemeinsam mit dem französischen Harfenisten Xavier de Maistre. Fotos: schubertiade

Hörfunkwiedergaben: Belcea Quartet: 8. September, 19.30 Uhr auf Ö1; Diana Damrau: 4. September, 19.30 Uhr auf Ö1