Kluge Zahlenromantik

20.09.2013 • 18:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ensemble „All’arme Tamtam“, Imelda Neuhaus und Ulrich Gabriel.
Ensemble „All’arme Tamtam“, Imelda Neuhaus und Ulrich Gabriel.

Diese Preziose entdeckt zu haben, ist auf jeden Fall lohnend.

Textkunst. Trotz leicht verständlicher Mundart bleibt der Kern doch Gödels Philosophie, die Inge Dapunt in Kooperation mit dem Philosophieprofessor Edgar Morscher in strenger Einsilbigkeit in den Bludenzer Dialekt übertragen hat.

Achtung, Gödel-Fuzzies

Inge Dapunt: „Dazu erfand ich eine Geschichte, die ich wie einen Mantel um meine kurze Bludenzerische Gödel-Boolos-Übersetzung legte. Ich verlegte einfach einen Teil der abenteuerlichen Route von Gödels Emigration aus Österreich, die ihn über Sibirien und die Mongolei in die USA führte, ins Innere Österreichs, und da führt bekanntlich kein Weg an Bludenz vorbei. Eine von vorn bis hinten erstunkene und erlogene Geschichte klingt bekanntlich immer noch realistischer als die brutale Realität. Damit jedoch nicht alles für bare Münze genommen wird und mich die Gödel-Fuzzies in endlose Diskussionen verstricken, habe ich meinen Text mehrfach verfremdet. Zuerst habe ich ihn einer sprachlichen Kur unterzogen, indem ich ihn gegoogelgödelt habe; hierauf habe ich ihn mit einer primitiven mathematischen Struktur überzogen (also quasi-gödelisiert); und damit das Ganze nicht ins rein Formalistische abgleitet, habe ich die Zahlenstruktur auch noch mit einem Regenbogen eingefärbt, woraus sich eine nahe an Kitsch heranreichende Zahlenromantik ergibt.“

Zeichnerischer Mantel

Zu guter Letzt legte Gottfried Bechtold einen weiteren ungewöhnlichen zeichnerischen Mantel um das Werk. Eine Endlos-Zeichnung, die an eine fantastische Weltmaschine erinnert, mit einer Spirale beginnt und einem alles aufsaugenden Riesentrichter endet. Als weiteren Mundartbeitrag stellte Inge Dapunt eine satirische handfeste PISA-Kritik an den Schluss des Buches. Das in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Buch erscheint im Rahmen der literarischen Reihe „Die Kleinen“ in der Dornbirner unartproduktion.

Die Publikation ist seit 1974 die erste Veröffentlichung von Inge Dapunt, deren literarisches Werk von den 1970er-Jahren bis heute als bedeutender Beitrag in der sprachspielerischen und experimentellen Mundart gilt.

Inge Dapunt Foto: VN/Hartinger
Inge Dapunt Foto: VN/Hartinger

Inge Dapunt: „Gödels zweiter Unvollständigkeitssatz für einsilbige Vorarlberger“, illustriert von Gottfried Bechtold, Verlag unartproduktion, Dornbirn, 38 Seiten