Nördlich der Alpen eine Rarität

Kultur / 01.10.2013 • 21:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Edita Gruberova als Alaide. Foto: Oper/Rittershaus
Edita Gruberova als Alaide.
Foto: Oper/Rittershaus

Belcanto-Feinspitzen wird wiederum eine interessante Begegnung geboten.

Zürich. (VN-tb) Edita Gruberova ist dem Zürcher Opernhaus ein paar Jahre fern geblieben, nun leistete sie Eminentes, bewies Charisma und zeigte sich, vor allem, wiederum als Künstlerin, die sich in Grenzbezirke wagt, Mut zum Risiko hat. Und die Stimme der 66-jährigen glüht noch immer. Das klang schneidend-kraftvoll und elegisch, das grollte und säuselte, und die Triller waren brillant. In Bezug auf die Timbreschönheit hat dieser Sopran nun allerdings doch etwas gelitten. Vor allem aber: Die Intonation ließ viel zu wünschen übrig. In Bezug auf intonatorische Referenzpunkte macht es der Komponist Vincenzo Bellini in seiner Oper „La straniera“ („Die Fremde“) der Sängerin der Titelrolle zwar auch nicht leicht, aber das Hauptproblem war hier doch die mangelhafte Fokussierung.

Liebesdrama

Abgesehen von einer Produktion bei der Wexford Festival Opera ist Bellinis 1829 uraufgeführter Zweiakter im 20. und 21. Jahrhundert nördlich der Alpen szenisch noch nie aufgeführt worden. Die Handlung, wie sie das Libretto von Felice Romani vorgibt, ist freilich abstrus. Da läuft ein gewisser Arturo seiner Verlobten Isoletta davon, weil er Alaide verfallen ist, die, als „die Fremde“ verfemt, im Wald haust. Alaide heißt in Wahrheit Agnese, ist Königin in spe und wird, indem eine andere Frau ihr den Weg nicht mehr verstellt, tatsächlich Thronfolgerin. Arturos Freund Valdeburgo, mit dem Arturo sich duelliert, ist durchaus nicht Alaides Liebhaber, sondern eigentlich Agneses Bruder Leopoldo. Zuviel für Arturo, er bringt sich um. In der Inszenierung von Christof Loy vergegenwärtigen solches Annette Kurz (Bühnenbild) und Ursula Renzenbrink (Kostüme) in einer Ausstattung, die auf die Entstehungszeit der Oper verweist. Die Regie lebt unter anderem von einer sorgfältigen Personenführung. Es sind traumatisierte Charaktere, die vorgeführt werden.

Einen sehr guten Eindruck hinterließ als Arturo der Argentinier Dario Schmunck mit seinem virilen und mit schönem Legato geführten Tenor und seiner packenden Rollenidentifikation. Dirigent Fabio Luisi bewies Gespür für die langgezogenen Melodielinien, sorgte mit der Philharmonia Zürich für Transparenz und ließ uns immer wieder hören, wie breit die instrumentatorische Farbpalette ist, die Bellini hier aufgeboten hat.

Nach der Premiere kurz vor Saisonende finden ab 2. Oktober nun weitere Aufführungen dieses Werks in Zürich statt: www.opernhaus.ch

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