Weltraumausflug mit Folgen

Kultur / 01.10.2013 • 17:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Von einer Sekunde auf die nächste sind Dr. Stone (Sandra Bullock) und Matt Kowalsky (George Clooney) im Weltall auf sich alleine gestellt. Foto: Warner Bros.
Von einer Sekunde auf die nächste sind Dr. Stone (Sandra Bullock) und Matt Kowalsky (George Clooney) im Weltall auf sich alleine gestellt. Foto: Warner Bros.

George Clooney und Sandra Bullock kämpfen in „Gravity“ gegen die Schwerelosigkeit und ums Überleben.

Science-Fiction. In „Gravity“ wird das Weltall mit all seiner Weite in 3D für die Darsteller Sandra Bullock und George Clooney zum Schauplatz eines scheinbar aussichtslosen Kampfes ums Überleben. Bei einem Außeneinsatz der beiden Astronauten Dr. Ryan Stone (Bullock) und Matt Kowalsky (Clooney) kommt es zur Katastrophe: Ein ­Metallschauer zerlegt ihr Space Shuttle, alle anderen Kollegen sind innerhalb weniger Minuten tot. Von einer Sekunde zur nächsten sind Dr. Stone und Matt Kowalsky völlig auf sich allein gestellt. Die Verbindung zur Erde ist abgebrochen und der Sauerstoffgehalt in Dr. Stones Raumanzug sinkt dramatisch. Einziger Hoffnungsschimmer scheint die Internationale Raumstation zu sein, zu der die beiden Astronauten hintreiben wollen. Bullock und Clooney verkörpern dabei ein äußerst ungleiches Paar: Für Dr. Stone ist es der erste Einsatz im All, für Kowalsky hätte es eigentlich der Abschluss einer erfolgreichen Astronauten-Karriere sein sollen. Während sie panisch und hektisch agiert – und ihr dabei immer mehr kostbarer Sauerstoff verloren geht – bleibt der erfahrene Kowalsky ruhig und versucht, das Problem rational zu lösen. Mit seiner wunderbar schnurrenden Stimme will er seine Kollegin zur ISS lotsen.

Zerstörerische Kettenreaktion

Der mexikanische Regisseur Cuarón, der nach „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ einst die düstere Zukunftsvision „Children of Men“ vorlegte, zeigt, wie vor allem seine Protagonistin in eine zerstörerische Kettenreaktion und immer wieder neue, scheinbar ausweglose Situationen gerät. Das folgt zwar einer typischen Action-Dramaturgie, ist als Actionfilm aber doch ungewöhnlich: Die Bewegungen der Figuren sind wegen der Schwerelosigkeit verlangsamt, und selbst Explosionen wirken teilweise wie in Zeitlupe. Dazu tragen auch die 3D-Bilder bei, mit denen der Regisseur sein Kammerspiel in den majestätischen Weiten des Alls zeigt. Die Kamera fängt den Panoramablick über der Erde ein, die Schönheit eines Sonnenaufgangs, das Gleiten durchs Weltall. Deutlich schwächer ist allerdings Cuaróns Figurenzeichnung. Nur in wenigen Momenten wird „Gravity“ auch zu einem berührenden, tiefgründigen Drama.

Mitten im Geschehen

Bullock trägt diesen Film auf beeindruckende Weise fast allein. Schließlich verliert sie nach einiger Zeit auch Clooney als Astronauten Kowalsky. Zäh fordert sie ihren Körper beharrlich heraus und kommt doch an ihre Grenzen. Irgendwann liegt sie in Em­bryohaltung zusammengekauert in einer Weltraumkapsel, isoliert und doch mittendrin im Geschehen. Da wird sie wieder deutlich: die Wucht, die Cuaróns Optik erzeugt und mit der er selbst komplizierte Fragen zur menschlichen Existenz visuell beantworten kann. Über die Einsamkeit zum Beispiel, den Wunsch nach Nähe oder das Über-sich-Hinauswachsen. Es sind dann auch diese Bilder auf der großen Kinoleinwand, die als die große Stärke von „Gravity“ in Erinnerung bleiben.

Gravity

» Regie: Alfonso Cuarón

» Land: USA

» Hauptdarsteller: Sandra Bullock, George Clooney, Basher Savage

» ab morgen im Kino

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