Startsignal für die Trüffelschweine

Kultur / 03.10.2013 • 20:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gestern Mittag hat der Milchpilz am Bregenzer Bodenseeufer sein Knallrot abgelegt und auf Schwarz gewechselt. Foto: VN/Hartinger
Gestern Mittag hat der Milchpilz am Bregenzer Bodenseeufer sein Knallrot abgelegt und auf Schwarz gewechselt. Foto: VN/Hartinger

Ausnahmsweise ist nicht die Politik am Farbwechsel beim Milchpilz schuld.

Bregenz, Feldkirch. (VN-cd) Wenn sie als Dickröhrlinge auftauchen, sind Pilze willkommen, gerne gesehen bzw. gerochen werden auch die Erdschwämme, das heißt die Trüffel. Aber Fliegenpilze? Zwar stets mit dem Vermerk versehen, dass sie nicht genießbar, weil giftig sind, ist das rote Ding mit den weißen Punkten ein Relikt aus der Kindheit. Einige erinnern sich vielleicht auch noch an Omas Aufschnittplatte, auf der ein bis drei Fliegenpilze den Mittelpunkt zwischen Salamischeiben und Schinkenröllchen markierten. Auf ein gekochtes Ei kam eine mit Mayonaisetupfen garnierte Tomatenhälfte und fertig war der pikante Blickfang.

Als Zugereister hat man in Bregenz rasch gelernt, dass der ultimative Treffpunkt mit nicht Ortskundigen keineswegs die als solche gekennzeichnete Stelle am Bahnhof ist. Wer sicher gehen will, einander in der Landeshauptstadt nicht zu verfehlen, der verabredet sich beim Milchpilz am Bahnübergang zwischen Stadtzentrum und Seeufer.

Das Kioskgebäude ist als Migrant aus Süddeutschland nicht nur beliebt, weil hier süße Milchgetränke und würzig belegte Brote feilgeboten werden, sondern weil die der Botanik abgeluchste Form jenem Kindchenschema entspricht, dem nur wenige widerstehen können.

Kunst und Design

Dass das so ist, haben sich nun die Verantwortlichen der Messe Art Design zunutze gemacht. Dass man nicht nur hier, sondern an weiteren markanten Orten in Vorarlberg neuerdings schwarz sieht, ist nicht auf etwaige politische Verhältnisse zurückzuführen. Maya Kleber, die Verantwortliche für das Programm der Kunstmesse, die zwischen 11. und 13. Oktober im Reichenfeld-Areal in Feldkirch stattfindet, geht zudem nicht davon aus, dass die gezielte und mit dem Grafiker Marco Spitzar entworfene Intervention eigens erklärt werden muss. Einmal irritiert, soll ihr der Betrachter selbst auf die Schliche kommen. Nun ja, die Saison für Trüffelschweine ist eröffnet. Die wertvollsten Exemplare gibt es dort, wo dann die Kunstwerke und Designobjekte auf Betrachter und Käufer warten. Die Wirkung grafischer Signale soll dabei auch abgehandelt werden.

Art Design Feldkirch: 11. bis 13. Oktober, Reichenfeld-Areal

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