Den Zustand der Stadt in ein Kunstwerk verpackt

Kultur / 04.10.2013 • 19:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sara Mejia Kriendler arbeitet nun im Bregenzer Magazin 4. Foto: Kunstverein
Sara Mejia Kriendler arbeitet nun im Bregenzer Magazin 4. Foto: Kunstverein

Im Magazin 4 macht die amerikanische Künstlerin Sara Mejia Kriendler den Ausstellungsraum zu ihrem Atelier.

Bregenz. (VN-ag) Über zwei Wochen hat die US-amerikanische Künstlerin Sara Mejia Kriendler vor den Augen der Besucher eine ortsspezifische Installation für das Magazin 4 entwickelt. „From Stones to Stories“ ist eine Mischung aus Architektur und Skulptur, eine ebenso poetische wie radikale Bestandsaufnahme unserer materiellen Kultur und eine mögliche Antwort auf die Frage „Was wird unsere Zivilisation einst hinterlassen?“.

Mit Sara Mejia Kriendlers Eingriff im Magazin 4, der dem Motto „In Arbeit“ unterstellt ist, manifestiert sich ein weiterer Programmpunkt im experimentellen Projekt „six memos for the next . . .“, das auf zwei Jahre angelegt ist und mit Inszenierungen, Ereignissen und Kunsterfahrungen jenseits des klassischen Ausstellungsformats aufwartet. So auch diesmal. Inspiriert von den Relikten früherer Kulturen, von archäologischen Ausgrabungen und Höhlenmalereien, geht die 1983 geborene, in New York lebende und arbeitende Künstlerin der angesichts des Ergebnisses doch leicht melancholisch stimmenden Frage nach, wie die Hinterlassenschaft unserer heutigen Gesellschaft aussehen könnte und welche Rückschlüsse künftige Generationen daraus ziehen könnten.

Ihr Material findet Sara Mejia Kriendler, die Geschichte studiert und eine traditionelle künstlerische Ausbildung in Drucktechnik und Bildhauerei absolviert hat, auf der Straße: Styropor, Plastik und Verpackungen, Wegwerfprodukte und Abfall bilden den Rohstoff für ihre Werke.

Ruinenhaft

Auch in Bregenz hat sich die Künstlerin im Stadtraum auf die Suche gemacht, hat Formen und Strukturen gesammelt und Frottagen als Spuren unseres Lebens abgenommen. So entsteht aus Styroporelementen, die teilweise weiterbearbeitet, zugeschnitten, geschichtet oder bemalt werden, architektonische Elemente, die sich zu einer Art Grundriss zusammensetzen, unvollständig und ruinenhaft, wie die Reste einer Behausung in einer Ausgrabungsstätte. Dabei spielt die Künstlerin mit den verwendeten Materialien, besonders den ambivalenten Eigenschaften von Styropor, das sie als „das“ Material unserer Zeit sieht. Stark und fragil zugleich, dient es als Verpackungsmaterial dem Schutz von Gütern, kann ebenso aber auch mit dem Händen zerbrochen und zerbröselt werden und hat dabei in seiner langen Verfallszeit auch etwas Giftiges, so Sara Mejia Kriendler. Eingebettet sind die skulptural anmutenden Styroporteile zwischen zwei Wandzeichnungen, die Begrenzung und Ausblick zugleich sind. Zeichenhaft, isoliert aus ihren Kontext und dabei fremd wie Hiero­glyphen tummeln sich die Symbole unserer Zeit – wie Schilder, Reifenspuren, Abdrücke von Gittern, technische Details, Zahlen und Buchstaben – auf diesen Wänden, um von dort auf die Skulpturen zu springen. Wer die Installation komplett sehen möchte, sollte dies bald tun.

Denn der Endzustand ist nur ein Übergangsstadium. Alsbald wird das Werk partiell zurückgebaut werden, darin integriert eine neue Komposition des japanischen Musikers und Klangkünstlers Junya Oikawa, die sich sowohl auf die Installation bezieht als auch auf die Erkundung des Stadtraums, womit sich der Kreis schließt.

Das Ausstellungsprojekt ist bis Jänner 2014 im Magazin 4 in Bregenz (Bergmannstraße) zu sehen, Di bis So, 14 bis 18 Uhr