Kunst mit einer Prise Salz und Humor

Kultur / 04.10.2013 • 21:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lorenzo Pompa outet sich als seismografischer Beobachter der Gegenwart und ihrer politischen, sozialen und kulturellen Fragen. Foto: AG
Lorenzo Pompa outet sich als seismografischer Beobachter der Gegenwart und ihrer politischen, sozialen und kulturellen Fragen. Foto: AG

Das Szenarium von Lorenzo Pompa in der Galerie allerArt soll heute auch klingen.

Bludenz. Mit Essen darf man nicht spielen. Wohl aber Kunst machen, wie die aktuelle Präsentation des deutsch-italienischen Künstlers Lorenzo Pompa in der Bludenzer Galerie allerArt beweist.

Dort stehen, inmitten einer weißen Miniaturlandschaft, auf Podesten und geborgen unter museal wirkenden Glasstürzen, umgeben von einem lautmalerischen Buchstabengebrummel, zwei Gurken und die Überreste von dem, was einmal Gurken waren. Denn das Weiß entpuppt sich als tonnenschweres Salzbett, auf dem in zwei leicht beschlagenen Vitrinen den beiden in Salz eingepflanzten „Live-Gurken“ gerade das Wasser entzogen wird, das sich während der Ausstellungsdauer tropfenweise zu sälzernen Stalaktiten formiert und dehydrierte Gurkenskelette zurücklässt. Die haben wiederum etwas delikat Kreatürliches, erinnern an filigrane Werke des großen Alberto Giacometti und verweisen auf einen Entstehungsprozess, der entgegen dem aktiven bildhauerischen Tun und Modellieren, die Form im Beobachten und Andauern, ohne weiteres Zutun des Künstlers, entstehen lässt.

Die bildhauerische Frage wird sich quasi selbst überlassen, der Zufall, den es ja bekanntlich nicht gibt, spielt dem Künstler in die Hände. Weitere Komponenten der Ausstellung sind ein großformatiges, über Eck gehängtes, metallisch schimmerndes Gemälde mit dem Titel „Mapping the Universe“, Täfelchen mit Buchstaben, die beim Versuch, diese auszusprechen, dem Werk eine phonetische Ebene hinzufügen, sowie ein zusammen mit dem Musiker Marc Sabat aufgenommenes Lied, als erweiterte Möglichkeit des Auftritts.

Mit großer Geste

Diese skulpturalen, malerischen oder zeichnerischen Einzelteile stammen aus einer stetig wachsenden Sammlung von Artefakten, die Pompa zu sogenannten „Szenarien“ zusammenfügt. Pompas Szenarien leben von Opulenz und Ambivalenz, von Reduktion und Stringenz. Alle Sinne ansprechend, die eigene physische Verortung im Raum in Frage stellend, aber auch die großen Fragen des Lebens berührend, sind die Zusammenstellungen der Dinge weder wahllos noch zufällig (den Zufall gibt es ja nicht).

Mit großer Geste und viel Getöse stellt Lorenzo Pompa die Nichtigkeit des Seins in universale Zusammenhänge und outet sich als seismografischer, ebenso präziser wie subjektiver Beobachter der Gegenwart und ihrer politischen, sozialen und kulturellen Fragen. Auch im Salz, einst kostbar wie Gold gehandelt und den Konservierungsprozess bildhaft vor Augen führend, spiegelt sich die existenzielle Dimension eines Werks, das nebst der Prise Salz auch eine Portion Humor enthält.

Zur Person

Lorenzo Pompa

Geboren: 1962 in Krefeld

Ausbildung: Innenarchitektur- und Designstudium in Rom, Kunststudium in Düsseldorf

Laufbahn: zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland

Die Ausstellung ist in der Galerie allerArt in der Remise Bludenz bis 13. Oktober geöffnet, Mi, Fr, Sa, So, 15 bis 18 Uhr, Do 16 bis 20 Uhr. 5. Oktober, 20., 21.30 und 23 Uhr, Aufführung der Bludenz-Musik-Performance

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