Stoff gibt es genug, Leser braucht man

Kultur / 08.10.2013 • 19:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Porträts von Schriftstellern zieren den aus Papier und Karton gestalteten riesigen Pavillon des Gastlandes Brasilien auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: EPA
Porträts von Schriftstellern zieren den aus Papier und Karton gestalteten riesigen Pavillon des Gastlandes Brasilien auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: EPA

Die Zukunft der Handlung um die Ecke beschäftigt die Fachwelt auf der Buchmesse.

Frankfurt/main. „Die Marktanteile im stationären Buchhandel gehen seit Jahren zurück – und das wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern –, aber der Schwund schreitet langsamer voran“, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, gestern zur Eröffnung der weltgrößten Buchmesse in Frankfurt. Er beobachte „ein neues Selbstbewusstsein“ bei den klassischen Buchhändlern. Von Mittwoch bis Sonntag werden rund 300.000 Besucher erwartet. Insgesamt gibt es rund 3000 Veranstaltungen.

Dass die Buchpreisbindung erhalten bleibt, hält Honnefelder für unerlässlich. Würde sie abgeschafft, „wäre das Ende der stationären Buchhandlung eingeläutet. Das Geld würde den Geist dominieren.“ Sorgen macht Buchhändlern wie Verlegern auch die Marktpräsenz globaler Konzerne wie Google, Apple und Amazon. „Das sind Kundenbindungsmaschinen und Logistikzauberer, aber keine Verleger. Da ist keine Leidenschaft dabei“, findet Buchmessen-Leiter Juergen Boos.

E-Book-Hype ist vorbei

Auf der Messe werden auch wieder neue E-Book-Lesegeräte zu bestaunen sein. Doch die Neugier der Besucher dürfte deutlich geringer sein als in den Vorjahren. „Der große Hype ist vorbei“, stellt Ronald Schild fest, Digital-Experte des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Sicher sei aber, dass der technische Fortschritt E-Books immer interessanter macht. Im Moment sieht es so aus, als ob mittelfristig Tabletcomputer die speziellen E-Book-Lesegeräte ausstechen könnten.

Fachleute sind sich einig, dass es eine Koexistenz von digitalem und gedrucktem Buch geben wird. Im Vergleich zum Papierprodukt hat das E-Book aber immer noch einen entscheidenden Nachteil: Man kann es nicht ausleihen, da es wegen des Kopierschutzes auf anderen Geräten nicht gelesen werden kann.

Brasilien ist heuer Gastland. Inzwischen ist das fünftgrößte Land der Erde zur wirtschaftlichen Vormacht Lateinamerikas aufgestiegen und will beweisen, dass es literarisch viel zu bieten hat. International bekannt ist Brasilien immer noch vor allem für sinnlich-exotische Bücher wie die von Jorge Amado (1912–2001), João Ubaldo Ribeiro („Brasilien, Brasilien“) oder die esoterischen Bestseller von Paulo Coelho. Doch die Literatur ist erzählfreudig und oft auch provokativ. Die geografischen und sozialen Gegensätze des Riesenlandes bieten reichlich Stoff. An der kosmopolitischen Ausrichtung haben gerade jüdische Einwanderer großen Anteil.

Google und Amazon sind Logistikzauberer, aber keine Verleger.Da ist keine Leidenschaft dabei.

Messe-Leiter Juergen Boos

Frankfurter Buchmesse 2013

Aussteller: 7300 Aussteller bzw. Verleger aus rund 100 Ländern

Erwartete Besucher: 300.000

Anwesende Autoren: rund 1500

Deutscher Buchpreis: wurde am Montagabend an Terézia Mora für „Das Ungeheuer“ verliehen

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels: wird am Sonntag an die weiß­russische Schriftstellerin und Dissidentin Swetlana Alexijewitsch verliehen

Gastland: Brasilien präsentiert 260 Neuerscheinungen, anwesend sind rund 90 Autoren

Sonderthemen: Self-Publishing, Digitalisierung, Start-ups in der Buchbranche, Buchgestaltung

Zahlen zu Österreich: 130 Verlage sind vertreten, am Gemeinschaftsstand der IG Autorinnen/Autoren werden 600 literarische Neuerscheinungen aus 150 österreichischen Verlagen präsentiert, 317 Neuerscheinungen österreichischer Autoren gab es heuer in 140 deutschen und Schweizer Verlagen.

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