Da fragt man sich, ob der Erfolg denn wirklich so sexy ist

Kultur / 09.10.2013 • 21:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Claudia-Sofie Jelinek im Rinke-Stück. Foto: VN/PS
Claudia-Sofie Jelinek im Rinke-Stück. Foto: VN/PS

Wie viel opfern wir der Karriere? Das Landestheater sucht eine Antwort, Jelinek hat sie.

Bregenz. „Wir lieben und wissen nichts“, heißt ein neues Stück von Moritz Rinke, das Lebensentwürfe moderner Europäer hinterfragt. Claudia-Sofie Jelinek, die Österreicherin, die ein Großteil des Publikums von Fernsehserien kennt, kommt damit zurück auf die Bühne.

Was ist das Gute an diesem Stück?

Jelinek: Die Figur, die ich spielen darf, die bekomme ich im Fernsehen nie, da muss ich die strengen Herrinnen nehmen, hier hat die Frau auch weiche, gefühlvolle Seiten. Die zu zeigen, das gefällt mir.

Es geht also nur um Ihre Figur?

jelinek: Ja, Schauspieler sind Egozentriker, das nehme ich für mich in Anspruch. Für mich schaut eine ausdrucks- und gefühlsstarke Figur heraus.

Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie nach vielen Engagements beim Fernsehen nun wieder auf der Bühne stehen?

jelinek: Ich habe 13 Jahre kein Theater gemacht. Es gab zwischenzeitlich ein paar Ansätze, da waren aber solche Erniedrigungen dabei, dass ich dachte, dass es diesen Preis nicht wert ist.

Von welchen Erniedrigungen sprechen Sie?

jelinek: Wenn sie einen gewissen Typus von Frau dann angeblich doch nicht erfüllen, wo sie doch dachten, dass sie das spielen können, wenn Vereinbarungen plötzlich nicht mehr eingehalten werden.

Wie kam es nun zu diesem Engagement in Bregenz?

jelinek: Dirk Diekmann, mit dem ich vor fünf Jahren zuletzt gespielt habe, hat mir per E-Mail mitgeteilt, dass er da ein Stück hätte. Ich fand es großartig, weil es vier wunderbare Figuren zeigt.

Können Sie das, was Ihren Beruf ausmacht, auf den Punkt bringen?

jelinek: Ich begegne jeglichem Beruf mit sehr viel Achtung, ich lasse mich in meinem Selbstbewusstsein nicht kaputt machen.

Was ist das Schöne an den Fernsehserien?

jelinek: Die tollen Rollen und die wunderbaren Örtlichkeiten, an denen man dreht. Ich habe beispielsweise Konstanz und den Bodensee sehr genossen, als wir dort einen Tatort drehten.

Was ist das weniger Schöne?

Jelinek: Wo man vertraut ist, hat man sich einen Stellenwert erarbeitet, das Unangenehme ist die Beweislast, sie fangen immer wie ein unbeschriebenes Blatt an.

Was kommt als Nächstes?

jelinek: Die Mitwirkung an einem Fernsehspiel habe ich wegen der Probenzeit hier abgesagt. Ich habe gemerkt, wie sehr mir das Theater gefehlt hat. Ich habe Lust auf Theater, aber auch nicht um jeden Preis.

Was muss eine Rolle haben, damit Sie Ihnen spontan zusagt?

jelinek: Sie muss ein gewisses Niveau haben. Außerdem: Dailys oder Soaps mache ich nicht.

Fernsehserien stehen ja durchaus in der Kritik.

Jelinek: Ja, man sieht, was mit einer schnellen, heißen Nadel gestrickt wurde

Und gute Frauenrollen sind rar. Ändert sich etwas, wenn Frauen in der Chefetage sitzen?

Jelinek: Eine Frau sagte mir einmal, Erfolg ist sexy, und den haben die Männer.

Erschreckend.

Jelinek: Weibliche Solidarität ist leider noch ein Fremdwort, weil die Beute, die die sich aufteilen, kleiner ist.

Da sollten wir dagegen auftreten. Dabei fällt mir auf, dass das Rinke-Stück hier in Bregenz mit älteren Schauspielern besetzt ist, als es beispielsweise in Frankfurt der Fall war.

Jelinek: Und dadurch wird das Stück wesentlich brisanter und spannender, weil die existenzielle Bedrohung stärker spürbar ist. ##Christa Dietrich-Rudas##

Weibliche Solidarität ist leider noch ein Fremdwort, weil die Beute, die die sich aufteilen, kleiner ist.

Claudia-Sofie Jelinek

Zur Person

Claudia-Sofie Jelinek

Geboren: 1961

Laufbahn: Schauspielerin in zahlreichen Filmen und TV-Serien („Loveisreal“, „Die Lottosieger“, „Der Alte“, „Der Bergdoktor“, „Tatort“, „SOKO 5113“ etc.) und am Theater

Wohnorte: München, Wien, Berlin

Die Premiere von „Wir lieben und wissen nichts“ findet am 11. Oktober, 19.30 Uhr, im Theater am Kornmarkt in Bregenz statt

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