Mozart vom Allerfeinsten

Kultur / 10.10.2013 • 20:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dirigent Louis Langrée und Hillary Hahn. Foto: JU
Dirigent Louis Langrée und Hillary Hahn. Foto: JU

Geigerin Hillary Hahn und die Camerata Salzburg bildeten ein Traumgespann.

Bregenz. Selten einen so edlen, in musikalischer Feinarbeit gestalteten Mozart gehört wie am Mittwoch im Festspielhaus. Etwas Besseres als eine in Hochform befindliche Camerata Salzburg dürfte es in diesem Bereich auch schwerlich geben. Dazu die Anmut und Kraft, die die Ausnahmegeigerin Hillary Hahn ins Spiel brachte.

Musizierlust

Geradezu fiebernd vor Musizierlust, wie man es bei solch abgebrühten Profis selten erlebt, präsentiert sich das Orchester mit seiner über 60-jährigen Tradition, die es in einer sehr speziellen, kernig modernen Art in unsere Zeit herüber gerettet hat. Vor allem sein typisch schlanker, durchscheinender Mozartklang als Markenzeichen wird stets zu Recht gerühmt.

Es ist diese fein austarierte Balance in den Frage- und Antwortspielen zwischen Streichern, Bläsern und der Solistin, wie sie sich auch hier im dritten Violinkonzert wunderbar entfalten, elegant gelenkt von dem sehr dynamisch wirkenden neuen Chefdirigenten Louis Langrée. Strahlender und doch so bescheidener Mittelpunkt ist die amerikanische Weltklassegeigerin Hillary Hahn. Mit berückendem Ton, makelloser Reinheit, fabelhafter Intonation und selbstverständlich wirkender Geläufigkeit geht sie auf Mozart ein, formt seine Melodielinien, Kadenzen ganz aus seinem Geist und in traumhaftem Dialog mit dem Orchester.

Und zeigt sich nach der Pause gleich noch einmal, von einer ganz anderen Seite, mit dem der Lerche abgelauschten Solopart in einer archaisch herben Romanze ihres Landsmannes Ralph Vaughn Williams. Da besitzt ihr Spiel in höchsten Lagen nun etwas von überirdisch schwebender Schönheit, in der Pianissimokultur scheinen sich Solistin und Orchester übertrumpfen zu wollen: Musik, die stehen bleibt. Bach ist die Erlösung aus solcher Erstarrung mit einer virtuosen Zugabe aus der Solopartita E-Dur.

Am Beginn haben sich die Streicher bald in der Akustik zurechtgefunden. Samuel Barbers geläufiges „Adagio for strings“ ist für sie ein Prüfstein, der sich in intensiven Wellenbewegungen spannend auflädt bis zum Höhepunkt in einer Generalpause, in die punktgenau eine Dame aus dem Publikum hineinhustet.

Wohlfühlfaktor

Die Rückkehr nach diesen erfreulichen Kontrasten zu Mozarts triumphaler letzter „Jupiter-Symphonie“ beschert den Zuhörern einen enormen Wohlfühlfaktor.

Mit einem Hauch von historisch informierter Aufführungspraxis in Naturtrompeten und Pauken und sehr persönlichen Anmerkungen des Dirigenten steht die Interpretation abseits abgedroschener Normen, strahlt deshalb in vielen Details wieder wie neu und frisch poliert.

Nächstes Bregenzer Meisterkonzert im Festspielhaus: 24. November, 19.30 Uhr, Le Concert Olympique

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