Unheimlich anziehend

Kultur / 11.10.2013 • 21:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kurator Gerald Matt holt den „Schock-Rocker“ Marilyn Manson mit neuen Arbeiten im Jänner nächsten Jahres nach Dornbirn. Foto: APA
Kurator Gerald Matt holt den „Schock-Rocker“ Marilyn Manson mit neuen Arbeiten im Jänner nächsten Jahres nach Dornbirn. Foto: APA

Der Weg von Humphrey Bogart zu Marilyn Manson führt jedenfalls über das Flatz Museum.

Dornbirn. Auf eine Unfall- und Verbrecher-Fotoserie des legendären Weeggee, das heißt, Arthur Fellig (1899–1968), die Auseinandersetzung mit den Schriftstellern Dashiell Hammet, Raymond Chandler, James M. Caine und den Filmemachern John Huston, Howard Hawks und Billy Wilder folgen zu lassen, hat Methode, inwieweit sich der als „Schock-Rocker“ bekannte Marilyn Manson in die Reihe fügt, hängt davon ab, ob es ihm gelungen ist, seinen Arbeiten nun den illustrativen Charakter zu nehmen. Gerald Matt, der neue Kurator des Flatz Museum in Dornbirn, verspricht jedenfalls nicht nur Manson nach Vorarlberg zu bringen (und damit dessen zahlreiche Fans auf den Plan zu rufen), sondern auch dafür zu sorgen, dass taufrisch ist, was der Künstler, der mit seinem Namen bekanntermaßen das Gute und das Böse zusammenführen will, als hoffentlich mehr als nur gruselige Flachware anzubieten hat.

Derweil, das heißt seit gestern Abend, flimmert es eher an den Wänden der Ausstellungsräumlichkeiten in der Dornbirner Marktstraße. Unter dem Titel „Noir“ und dem fast schon kitschigen Untertitel „Die Blumen des Bösen“ ist nicht französischer Filmpoesie oder gar Charles Baudelaire zu begegnen, sondern jenen US-amerikanischen Kriminalfilmen, die erst zu dieser Bezeichnung geführt haben.

Matt geht es dabei einerseits darum, den Weg von der Schrift zum Bild aufzuzeigen, andererseits auch darum, welche Mittel die Künstler damals (wir sprechen von den 1930er- bzw. 1940er-Jahren) gefunden haben, um die scheinbar unterhaltenden Filme mit beinharter Gesellschaftskritik zu durchziehen.

Ein Bedürfnis

Nicht zuletzt gilt ja gerade der „Malteser Falke“, basierend auf dem Roman von Dashiell Hammett, als bestes Beispiel für die Aufhebung der Unterteilung in Gut und Böse. Welcher Seite der Detektiv angehört, steht ja nicht von vornherein und nicht immer eindeutig fest.

„Die künstlerische Repräsentation des Verbrechens lässt nicht nur an die anhaltende gesellschaftliche Diskussion über die mediale Darstellung von Gewalt denken, es zeigt sich darin vielmehr eine Kulturtradition, die ihre markanten Spuren in der Kulturgeschichte – von Märchen und Heiligenlegenden über Schauerromane bis zum Crime – hinterließ“, erklärt Matt und verweist auf das Bedürfnis der Menschen nach dem Unheimlichen.

Konkret geht es aber auch darum, Phänomene wie die Behauptung, die Möglichkeit zur Selbstbestimmung zu haben, anhand von Kunstwerken zu hinterfragen. Nach den „Noir“-Filmen bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg war wieder das Happy End en vogue. Wer nicht glücklich sein konnte, war sozusagen selbst schuld.

Es geht mir darum, zu zeigen, inwieweit die Möglichkeit der Selbstbestimmung eine Behauptung ist.

Gerald Matt
Szene aus „The Big Sleep“ mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall aus dem Jahr 1946. FotoS: Flatz Museum, filmarchiv
Szene aus „The Big Sleep“ mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall aus dem Jahr 1946. FotoS: Flatz Museum, filmarchiv
Humphrey Bogart in „Die Spur des Falken“ aus dem Jahr 1941.
Humphrey Bogart in „Die Spur des Falken“ aus dem Jahr 1941.

Die Ausstellung im Flatz Museum in Dornbirn (Marktstraße 33) ist bis 23. November geöffnet, Fr, 15 bis 17 Uhr, Sa, 11 bis 17 Uhr und nach Voranmeldung: 05572/3064839

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