Zwischen Rosen, Tulpen und Selbstgesprächen

Kultur / 11.10.2013 • 20:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nachdem er eine Zeit lang nur Landschaften gemalt hat, kehrt Elmar Klocker mit dem Stillleben zu seinen malerischen Wurzeln zurück. Foto: Fotos: AG
Nachdem er eine Zeit lang nur Landschaften gemalt hat, kehrt Elmar Klocker mit dem Stillleben zu seinen malerischen Wurzeln zurück. Foto: Fotos: AG

Im Künstlerhaus sind neue Arbeiten von Elmar Klocker und Manfred Egender zu sehen.

Bregenz. (VN-ag) Blumen und Gangster malt der Eine, zwischen Farbflächen, handfesten Kommentaren im Bild und dem Eigenleben des Materials mäandert der Andere. Fast gleich alt, zäumen die beiden Vorarlberger Künstler Elmar Klocker und Manfred Egender ihr Medium, die Malerei, von zwei völlig unterschiedlichen Seiten her auf. Beiden geht es aber immer noch und vor allem um die Malerei.

Nein, die Blumen, die Elmar Klocker malt, stehen definitiv nicht auf dem Kopf. Vielmehr hängt der 1958 in Bregenz geborene, in Wien lebende Künstler die Sträuße zum Trocknen auf. Diese hängenden Gärten, die auch etwas üppig Wucherndes an sich haben und dschungelartig über den Rand der Leinwand hinauswachsen, tragen dann Namen wie „Blumenregen“, „Blütenkarneval“ oder „Trompetenvoyeurie“. Nachdem er eine Zeit lang nur Landschaften gemalt hat, kehrt Elmar Klocker mit dem Stillleben und dem Wechsel vom Klein- ins Großformat zu seinen malerischen Wurzeln zurück. Dabei gelingt es ihm, einen neuen Zugang für sich zu finden und er wartet mit farbstarken, von einem frisch-forschen Pinselduktus und der Linie dominierten Werken auf. Parallel zur Malerei entstehen Tusche- und Kohlezeichnungen, inspiriert durch den strengen Kontrast von S/W-Comics und charakterisiert durch einen Zug ins Bedrohliche. Raffiniert gehängt, kann es durchaus passieren, dass man als Betrachter just in jenem Moment, bevor der Schuss fällt, in die Schusslinie der Pistolengangster gerät.

Sehen und lesen

Für ein verbales Kreuzfeuer sorgt auch Manfred Egender (geboren 1954 in Schnepf­au). In einer geschlossenen Präsentation zelebriert der Künstler seine malerischen Selbstgespräche als „privates Unterhaltungsspiel“ zwischen Begrifflichkeiten und Fläche. Zwischen Bildzitaten, wie dem stürzenden Ikarus, grafischen Elementen und der Nicht-Zeichnung entfaltet sich ein zuletzt üppiger gewordenes Kolorit. Die Materialglätte von Astraglas, einem Edel-PVC und dem alleinigen Bildträger für Egenders Malerei, kontrastiert mit dem vitalen, subkutanen Farbauftrag. Die Doppelseitigkeit des Materials wird durch die Transparenz desselben und die Schatten der Worte und Begriffe an der Wand um eine dritte Ebene erweitert. Vordergründig und hintersinnig bedeutet für diese Arbeiten keinen Widerspruch. Selbstironisch, manchmal bitterböse, greift der Künstler Momente aus dem Leben auf, agiert authentisch und dann wieder weit hergeholt, lässt in seinen Bild- und Denkwelten Religion auf Wissenschaft prallen und holt via Reflektion auch den Betrachter ins Bildgeschehen. Eine Entdeckung sind die Zeichnungen im Dachgeschoß. Ein Begriff, ein Farbstreifen, musikalisch-grafisch strukturiert sind es Blätter mit Tagebuch-Charakter. „Abschied vom Konsens“ heißt es auf dem letzten Blatt. Wenn Störung Kreativität bedingt, dann ist dies der Aufruf zum Weitermachen.

Künstler Elmar Klocker ...
Künstler Elmar Klocker …
... und seine farbstarken Bilder.
… und seine farbstarken Bilder.

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Gallusstraße 10, Bregenz, bis 10. November geöffnet, Di bis Sa, 14 bis 18 Uhr, So und Feiertag, 11 bis 17 Uhr

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