Ohne Weiber geht die Chose nicht

Kultur / 13.10.2013 • 21:37 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Musiktheater Vorarlberg spielt Emmerich Kálmáns Operette „Die Csárdásfürstin“. Fotos: mtvo
Das Musiktheater Vorarlberg spielt Emmerich Kálmáns Operette „Die Csárdásfürstin“. Fotos: mtvo

Musiktheater Vorarlberg bietet mit der „Csárdásfürstin“ ein tolles Schlagerfest.

Götzis. Dass der Begriff Schlager in Verruf geraten ist, daran sind mit Sicherheit nicht die Operetten bzw. deren Schöpfer und deren Interpreten schuld. Ursprünglich war es ein Gradmesser des Erfolgs, inwieweit sich Nummern aus den Werken quasi als öffentliches Liedgut behaupten konnten. Emmerich Kálmán hat diesbezüglich einiges geleistet. 1915 uraufgeführt, wurden einzelne Lieder aus der „Csárdásfürstin“ zum Inbegriff der Unterhaltung, sie wurden Schlager. Mehr noch, Jahrzehnte später, also in den 50er-Jahren, war „Ohne Weiber geht die Chose nicht“ noch so modern, dass man das Lied gelegentlich jenem Jazz zuordnete, der sich – zuvor ja verfemt – in Österreich erst zu etablieren begann.

Wie man Kálmáns „Csárdásfürstin“ gerecht wird, das zeigt nun das Musiktheater Vorarlberg unter der Leitung von Nikolaus Netzer. Auch bei der Aufführung am gestrigen Abend war nach den ersten Szenen klar, dass man sich um das Engagement eines sehr guten, sehr spielfreudigen Sängerensembles bemühte, das sich in der Regie von Werner Pichler einigen Herausforderungen zu stellen hat.

Das Optimale herausgeholt

Dem Handlungsverlauf entsprechend, spielt man den ersten und dritten Akt auf einer relativ kleinen Hinterbühne, im fürstlichen Palais steht dann zwar mehr Raum zur Verfügung, stets liegt es aber vor allem an den Solisten, den Szenen Schwung zu verleihen und die Spannung zu halten. Aufwendige Tableaus gibt es nicht, nur einige Tanzszenen, die die Protagonisten und die „Mädis vom Chantant“, pardon, von der Dance Hall Götzis, auf einem so schmalen Podium zu absolvieren haben, dass man inständig hofft, dass die Akteure die Grenze zum Orchestergraben im Auge behalten. Gut is gangen, nix is gschehn, und wenn jemand beweisen kann, dass man auch unter schwierigen Vorgaben das Optimale herausholen kann, dann ist es wohl dieses Leading Team, zu dem sich noch der Ausstatter Hartmut Holz, der Choreograf Alfredo Karl und der Chorleiter André Vitek gesellen.

Bei knappem Budget sich auf das Musikalische zu konzentrieren, hat sich bewährt. Das Orchester des Musiktheaters wurde so weit gut besetzt, dass ein sattes, rhythmisches Klangbild entstehen konnte. Wer den Werdegang von Christine Schneider (Sylva Varescu) in den letzten Jahren verfolgt hat, konnte nur begeistert sein vom Gewinn an Stimmvolumen und Präsenz, eine stabile Höhe hatte die Vorarlbergerin wohl schon immer.

Die junge Tirolerin Marita Lechleitner hatte die anfängliche Nervosität rasch abgelegt, bietet für die Rolle der Stasi ein ordentliches Maß an Komödiantik auf und hat gezeigt, dass sie neben dem hervorragenden Mario Podrecnik als Boni bestehen kann. Das mag was heißen, der Kärntner ist nicht nur ein exzellenter Schauspieler, auch in den von groteskem Humor gespeisten Szenen sitzen die hohen Töne. Für den Schweden Johan Weigel ist so viel Strahlkraft fast schon eine Vorgabe, aber eine „Csárdásfürstin“ wäre schließlich kein Erfolg, wenn Edwin nicht auch mit tenoralem Glanz punkten könnte. Und so klingen die Duette mit Sylva in schönster Melancholie nach.

Bryan Benner (Feri), Reinhard Razen (Fürst), Gisela Razen (Fürstin) und ein exakt agierender Chor liefern mit den Solisten ein tolles Schlagerfest mit kompakt ablaufender Geschichte, in der es der Regie zudem gelingt, gerade auch in Szenen großer Blödelei („Jai Mamám, Bruderherz . . .“) zwar zart, aber sichtbar anzudeuten, dass die Zeit der Handlung (und der Uraufführung) leider keine gute war. ##Chrsita Dietrich-Rudas##

Christine Schneider und Johan Weigel.
Christine Schneider und Johan Weigel.

Weitere Aufführungen am 16. und 20. Oktober, 18 Uhr, und am 19. Oktober um 19.30 Uhr in der Bühne AMBACH in Götzis. Dauer: zwei­einhalb Stunden, eine Pause

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