An der Seite eines Showpianisten

Kultur / 15.10.2013 • 17:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Scott (Matt Damon) ist für Liberace (Michael Douglas) bald mehr als nur sein Chauffeur. Foto: filmladen
Scott (Matt Damon) ist für Liberace (Michael Douglas) bald mehr als nur sein Chauffeur. Foto: filmladen

Es glitzert und funkelt überall in Steven ­Soderberghs Musikerporträt „Liberace“.

Drama. „Liberace“ handelt im Wesentlichen vom Liebesdrama des schillernden Showpianisten und des ebenso attraktiven wie naiven Waisenjungen Scott Thorson. Der Film basiert auf den Erinnerungen von Thorson, der ab Ende der 1970er-Jahre mehr als fünf Jahre lang an der Seite des 35 Jahre älteren Paradiesvogels verbrachte. Wie Michael Douglas den glamourösen und dekadenten Pianisten und Entertainer Walter Liberace (1919–1987), meist Lee genannt, mimt, das beweist große Klasse und brachte ihm bei der Emmy-Verleihung völlig verdient die Auszeichnung für den besten Schauspieler ein. In ausschweifenden Pelzmänteln und mit österreichischen Kristallen geschmückt, gibt er Liberace als herrischen Schmeichler und edlen Koketteur, als eitlen Pfau und begnadeten Charmeur. Von sich selbst maßlos überzeugt, gibt er seinem früheren Bewunderer und Lebensgefährten rasch den Laufpass, als er Scott (Matt Damon) für sich entdeckt und in seinen pompösen Palast einführt. Es dauert nicht lange, und Scott ist nicht nur Liberaces Chauffeur, sondern auch sein Liebhaber.

Eifersucht und Drogensucht

Auch Matt Damon spielt Scott umwerfend und macht im Film mehrere Verwandlungen durch. Nach der ersten Verliebtheit sitzt er bald, wie das in einer Ehe vorkommt, mit Übergewicht in Jogginghosen vor dem Fernseher, nimmt wieder ab, lässt sich auf Schönheits-OPs ein, schlittert in Eifersucht und Drogensucht, bis er schließlich wie sein Vorgänger von einem jüngeren Lover abgelöst wird. Der Streit ums Geld beginnt, die Versöhnung folgt schließlich erst am Sterbebett. Liberace hat seine Homosexualität stets geheim gehalten und seine Gespielen geschickt verführt, manipuliert und für seine Zwecke missbraucht. Dieser Missbrauch schwingt im Hintergrund von Soderberghs überdrehtem, aber nie als Farce angelegtem Biopic immer mit. Der Regisseur („Traffic“, „Magic Mike“) blickt aber dennoch mit viel Sympathie auf seine beiden tragisch-faszinierenden Protagonisten, die sich die meiste Zeit über zu zweit im Palast aufhalten.

Durch TV-Show zum Star

Zu Lebzeiten war Liberace, der in den 1950er-Jahren mit einer Fernsehshow zum Star wurde, einer der buntesten Showstars. Ende der 70er-Jahre verfügte er über ein Vermögen von mehr als 100 Millionen Dollar. In seine Schleppe, die er auf der Bühne trug, waren 100.000 Bernsteine eingenäht.

Liberace

» Regie: Steven Soderbergh

» Land: USA

» Hauptdarsteller: Matt Damon, Michael Douglas, Johnny Yong Bosch, Scott Bakula, Eric Zuckerman

» ab Freitag im Kino

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