Tausende Worte und nur ein Bild

Kultur / 16.10.2013 • 21:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sautters künstlerisches Schaffen führt zu Untersuchungen der Sprache. Foto: Stoph Sauter
Sautters künstlerisches Schaffen führt zu Untersuchungen der Sprache. Foto: Stoph Sauter

Arbeiten von Stoph Sauter, Dagmar Rohm und Christiane Rieger sind in der Galerie Lisi Hämmerle zu sehen.

Bregenz. (VN-ag) Untersuchungen zur Sprache und gesellschaftspolitische Statements begleiten und formen das künstlerische Schaffen von Stoph Sauter. Neue Arbeiten des Künstlers, von ihm selbst in Interaktion gesetzt mit Malerei von Dagmar Rohm und einer Textarbeit von Christiane Rieger, zeigt derzeit die Galerie Lisi Hämmerle. Sind Wortbilder nur Bilder für ein Wort oder erzeugt das Wort ein Bild? Stoph Sauter jongliert aktuell mit beiden Möglichkeiten.

Er wirft dem Betrachter Worte wie Bilder an den Kopf. Sehr reduziert, ästhetisch und edel, in verschiedenen Typografien und Materialien durchgespielt, von Holz bis zum Spiegel, der sinnigerweise „mirror“ und „error“ flüstert, während die Lettern, die die Abfolge „wunden wunder wundern“ formen, auf den zweiten Blick tatsächlich Staunen machen. Von „lieb ende“ bis „leb, los“ spielt der Künstler mit ambivalenten Bedeutungen und Mehrfachdeutungen und fordert auf, die Dinge auseinanderzunehmen. Im Wort Verborgenes, aber auch Begriffe des Alltags, der Liebe und des Lebens werden hinterfragt, manchmal an der Grenze zum Plakativen. Es verkehrt sich Witziges in Melancholie, es werden Erwartungshaltungen gebrochen, indem sie bestätigt werden. Wenn beispielsweise „EINFACH“ tatsächlich nur ein einfaches Fach, wenn auch mit aufgemaltem Strichcode, ist.

Endzeitstimmung

Während eine digital präsentierte Textarbeit der Tiroler Künstlerin Christiane Rieger diese Wechselwirkung von Text und Bild aufnimmt, stellt ein Gemälde der 1969 in Bludenz geborenen Sängerin, Schauspielerin und Malerin Dagmar Rohm einen radikalen, figurativen Bruch in der Sauter’schen typografischen Landschaft dar. Oder doch nicht? Ist es Gegenliebe, wie der Ausstellungstitel verheißt? Im Bild von Dagmar Rohm herrscht jedenfalls Endzeitstimmung, wenn auch eine sexuell aufgeladene. Da sitzt eine Frau mit hochgeschobenem rotem Kleid auf einem Schaukelpferd, dahinter steht ein unbeteiligt wirkender Mann im Unterhemd. Ein ruinenartiger Mauerrest bildet die Kulisse, auch für einen Einkaufswagen mit Büchern und Handy, am dunklen Himmel braut sich Unheil zusammen. Oder ist die Katastrophe bereits vorbei?

Ein maschinenartiges Teil, wie von einem Flugzeugabsturz oder einer Rakete, legt die Vermutung nahe. Im Gemälde lassen sich jedenfalls viele Begriffe, die Stoph Sauter dem Betrachter anbietet, verorten, wiederfinden oder zum Menschen in Beziehung setzen. Ein Bild sagt in diesem Fall vielleicht nicht mehr als tausend Worte, aber mindestens gleich viel.

Die Ausstellung ist in der Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz (Anton- Schneider-Straße 4a) bis 2. November geöffnet, Mi bis Fr, 14 bis 18 Uhr, Sa, 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.