„Glaube ohne Zweifel ist gefährlich“

Kultur / 18.10.2013 • 21:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Arbeit von Barbara Kruger im KUB. Den Wunsch der Künstlerin, nicht fotografiert zu werden, haben wir respektiert. Foto: VN/Hartinger

Arbeit von Barbara Kruger im KUB. Den Wunsch der Künstlerin, nicht fotografiert zu werden, haben wir respektiert. Foto: VN/Hartinger

Von sozialem Engagement geprägt, werfen die Werke von Barbara Kruger Fragen auf.

Bregenz. Ihre Werke sprechen Bände. Konsumkritisch, den Verführungen der Massenmedien trotzend, von sozia­lem Engagement geprägt, regen sie in Wort und Bild zum Nachdenken an und werfen Fragen auf. Diese und der Zweifel bilden die Basis für ihr Werk, betont die US-amerikanische Künstlerin Barbara Kruger anläßlich ihrer Personale im Kunsthaus Bregenz, über die gestern berichtet wurde, immer wieder.

Die Arbeiten, die Sie in Bregenz zeigen, beziehen sich direkt aufs Haus. Wie haben Sie die Architektur wahrgenommen?

Kruger: Architektur ist so etwas wie meine erste Liebe, mehr noch als die Kunst vielleicht. Das ist so eine mächtige Kunstform, die gebaute Umgebung bestimmt unser Lebensgefühl bei Tag und bei Nacht. Und das ist das außergewöhnlichste zeitgenössische Museumsgebäude, das ich kenne. Zumthor ist wirklich ein unglaublicher Architekt und ich spürte gleich, dass ich mit meinem Werk in einer positiven Weise auf das Haus reagieren muss. Dass ich meiner Arbeit hier, an diesem Ort, Raum geben konnte, hat mir die Welt bedeutet.

Häufig verlassen Sie den geschützten Raum des Museums und gehen mit Ihren Werken in den öffentlichen Raum. Bedingt das eine andere Arbeitsweise?

Kruger: Manchmal schon. Das ist natürlich ein anderer Maßstab, eine andere Größe, aber vielleicht ist der Unterschied bei meinem Werk nicht so eklatant wie bei anderen Künstlern. Ich versuche, mein Werk zugänglich zu machen. Das heißt nicht, dass meine Arbeiten besser sind, weil sie zugänglicher sind, aber das ist einfach meine Art zu arbeiten. Mein künstlerisches Schaffen ist stark geprägt von meinen Erfahrungen als Grafikerin und Gestalterin verschiedener Zeitschriften, was ja auch eine sehr öffentliche Tätigkeit ist, denn jeder liest die Seiten, die Leute lesen die Magazine – das reflektiert meine Arbeit.

In der Ausstellung sind auch Zitate von Mary McCarthy und Kafka. Sind die anderen Statements auch Zitate?

Kruger: Es gibt einige Zitate, aber das meiste schreibe ich selbst. Ich habe vor allem früher sehr viel geschrieben, beispielsweise auch für das Artforum – nicht über Kunst, aber über Filme und Fernsehen. Da gibt es eine ganze Sammlung von Essays. Aber mir ist es auch wichtig, dass die Leute die Namen und Gedanken von großen Denkern kennenlernen. In Amerika gibt es viele, vor allem auch junge Leute, die Twitter kennen, aber nicht wissen, wer Kafka ist. Ich will nicht nostalgisch sein, aber das erscheint mir schon wichtig.

Die Ausstellung titelt „Believe + Doubt“ (Glaube und Zweifel).

Kruger: Ich glaube sehr stark an den Zweifel, ich befürworte den Zweifel oder zumindest die Frage.

Das ursprüngliche Werk heißt „Believe + Doubt = Sanity“ Wann ist diese Gleichung erstmals in Ihrer Kunst aufgetaucht?

Kruger: Ich weiß nicht mehr genau, wann ich erstmals damit gearbeitet habe, aber in der ersten Version hieß es „Believe + Doubt = Wisdom“, aber das gefiel mir dann
nicht mehr, weil Weisheit so klingt, als gäbe es nur einen Weg zum Wissen, und so habe ich „Wisdom“ durch „Vernunft“ oder „Verstand“ ersetzt. Für mich ist Glaube ohne Zweifel gefährlich, und Zweifel ohne Glaube ist leer. Das gehört unbedingt zusammen, ist aber häufig nicht so. Als George Bush Präsident von Amerika war, hat nämlich niemand an Zweifel gedacht, da hieß es, „Wir sind Cowboys und doubtless“.

Was erwarten Sie vom Betrachter?

Kruger: Ich betone immer wieder, dass meine Werke vom Umgang miteinander handeln, wie wir miteinander sprechen, wie wir einander berühren, einander lieben oder einander hassen. Mich interessieren die Bedingungen und Voraussetzungen für diese Gefühle und Versuche, die unser Leben bestimmen.

Zur Person

Barbara Kruger

Geboren: 1945

Ausbildung: Universität in Syracuse, Parsons School of Design in New York

Wohnort: New York und Los Angeles

Ausstellung: vertreten auf der Biennale Venedig, auf der documenta in Kassel, Ausstellungen in den wichtigsten Kunsthäusern und Museen

Lehrtätigkeit: Dozentin an verschiedenen US-amerikanischen Hochschulen und Universitäten

Die Ausstellung ist bis 12. Jänner, Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Do, 10 bis 21 Uhr, im Kunsthaus Bregenz zu sehen

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