Poesie und Politik

Kultur / 18.10.2013 • 19:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gfader hat sich die menschliche Figur zurückerobert. Foto: AG
Gfader hat sich die menschliche Figur zurückerobert. Foto: AG

In der Villa Claudia ist Malerei von Harald Gfader zu sehen – ein Befreiungsschlag.

Feldkirch. (VN-ag) Die Frage, „Was haben Sie denn in den letzten Jahren so gemacht . . .?“, beantwortet Harald Gfader für sich, noch bevor sie ihm einer stellen konnte. In seiner aktuellen Ausstellung in der Villa Claudia feiert der Feldkircher Künstler die Malerei als ein privates Manifest.

Es waren zumeist geschlossene Werkzyklen, konzeptionierte Projektreihen, mit denen Harald Gfader seine Ausstellungen bestritten hat. Unter dem entwaffnenden Titel „Privat“ zeigt der Künstler nun eine Auswahl von Gemälden, die in den vergangenen Jahren in loser Folge als Solitäre in einem durchgetakteten Œuvre entstanden sind, aber noch nie gezeigt wurden und für Gfader diesbezüglich einem „Befreiungsschlag“ in Sachen Malerei gleichkommen. Der war auch dringend nötig aus der Sicht des Künstlers, der für die Reihe der „Fetznschädl, Larven und Masken“ mehrere Hundert Werke produziert hat und sich dadurch eingeengt fühlte. Im Gegenzug hat sich der Frohner-Schüler die menschliche Figur, der er sich lange verweigert hat, in den letzten Jahren malerisch Zug um Zug zurückerobert. Und so trifft man in der Ausstellung auf viel Figuratives, auf Menschen, Dinge und gar einen Baum. „Ich ist ein Anderer“ steht auf einer kleinformatigen Arbeit und eine dieser anderen künstlerischen Seiten des Harald Gfader offenbart sich auch in fast ornamentalen Wucherungen, wenn sich geometrische Elemente und zeichenhafte Chiffren wie Kreise, Kreuze oder Rechtecke in serieller Reihung zu musterähnlichen Strukturen verdichten.

Die Pfeile machen Richtung, aber keinen Sinn, im schablonenartigen Labyrinth verkommen sie zu Stilelementen.

Im roten Salon

Geblieben sind dagegen die poetischen Textfragmente und die extravaganten Material- und Farbexperimente, an denen sich der Maler immer noch weidet. Der haptische Touch resultiert aus dem vielschichtigen, plastischen Bildaufbau, und neben narrativen Sequenzen, die fast etwas Traumartiges oder Surreales an sich haben, stehen Farbflächen, die an gegenstandslose Malerei denken lassen. Ganz privat frönt Harald Gfader einem Faible für die Farbe Rot, die warm und stark von den Leinwänden leuchtet, und beschert der Roten Villa einen roten Salon. Der rote Faden durch die Ausstellung ist jedoch die offensichtlich neu erwachte Lust des Künstlers am spielerisch-experimentellen Bildermalen, die zusammenhält, was nicht zusammengehört. Dass das „Private“ bei einem Künstler, also die Kunstproduktion, gleichzeitig auch öffentlich und sehr wohl politisch ist, dessen ist sich Harald Gfader bewusst. „Was jetzt“ heißt es im letzten Bild der Ausstellung. Was jetzt? Weitermalen, bitte!

Künstler Harald Gfader
Künstler Harald Gfader
Und so trifft man in der Ausstellung auf viel Figuratives.
Und so trifft man in der Ausstellung auf viel Figuratives.

Zur Person

Harald Gfader

Geboren: 1960 in Feldkirch

Ausbildung: Universität für angewandte Kunst, Wien

Auszeichnung: Förderungspreis für Wissenschaft und Kunst des Landes Vorarlberg, Förderungspreis der Stadt Wien, Feldkircher Kulturpreis

Laufbahn: zahlreiche internationale Ausstellungen und Projekte, Arbeiten im öffentlichen Raum und kuratorische Tätigkeit

Wohnort: Göfis

Die Ausstellung ist in der Villa Claudia in Feldkirch (Bahnhofstraße 6) bis 17. November geöffnet, Fr, 16 bis 18 Uhr, Sa, 15 bis 18 Uhr, So, 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.